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die er selbst noch zu gehen beabsichtigte. Hier wird Vernetzung in mehr-
facher Hinsicht verdeutlicht:
Je „zwei und zwei“ – Der Dienst als Krankenhausseelsorger*in ist im
Modus des „Einzelkämpfers“ nicht denkbar. Der Mehrwert des kolle-
gialen Miteinanders und/oder der Arbeit innerhalb eines Teams, sind
während der Bedrohung durch die Pandemiesituation deutlich zutage
getreten. Der tagesaktuelle Austausch, ein größerer Ideenpool ange-
sichts neuer Situationen und die Unterstützung durch die kollegiale
Peererfahrung stärken die Psychohygiene und erhalten die Handlungs-
fähigkeit. Die Verantwortung für das große Ganze ruht auf mehreren
Schultern, selbst wenn es eine(n) letztverantwortliche(n) Teamlei-
ter*in gibt. Schließlich kann die operative Verbundenheit in der Kol-
leg*innenschaft auch als intervisorisches Korrektiv dienen, in dem die
gemeinsame Arbeit in der Spannung zu den jeweils persönlichen Be-
dürfnissen reflektiert werden kann.
„… und [Er] sandte sie …“ – Krankenhausselsorger*innen sind im theo-
logischen Sinne letztlich „Botschafter an Christi statt“. (Vgl. 2 Kor
5,20) Das heißt, dass es neben den formalen institutionellen Aufträgen
darüber hinaus einen tieferen Sinn und einen umfassenderen Auftrag
gibt.20 So sind sie Teil dieser unterschiedlichen Systeme und Arbeits-
felder, für die sie vielfältige Verantwortung tragen. Zugleich handeln
und sprechen sie aus einer Glaubenshoffnung heraus, die menschliche
Belastungen, Leid und Tod zwar nicht leugnet, die es jedoch vermag,
für die begleiteten Menschen ermutigende und sinnstiftende Akzente
zu setzen.
„Was denn?“
In der Emmausgeschichte (Lk 24) begegnet der auferstandene Jesus uner-
kannt zwei Jüngern auf ihrem Weg. Auf ihre Frage, ob er der Einzige sei,
der von der Kreuzigung eines gewissen Jesus in Jerusalem nichts mitbe-
kommen habe, antwortet er schlicht: „Was denn?“
3.2.3
20 In den Aussagen des II. Vatikanischen Konzils wird aufgefordert, die Not der Ar-
men und der Leidenden zu lindern. Siehe dazu die Dogmatische Konstitution
„Lumen gentium“ 1: „In den Armen und Leidenden erkennt sie [die Kirche] das
Bild dessen, der sie gegründet hat und selbst ein Armer und Leidender war. Sie
müht sich, deren Not zu erleichtern.“
Maria Berghofer, Sabine Petritsch, Detlef Schwarz
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https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Buch Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise"
Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Titel
- Die Corona-Pandemie
- Untertitel
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Autoren
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Herausgeber
- Walter Schaupp
- Verlag
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Ort
- Baden-Baden
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Abmessungen
- 15.3 x 22.7 cm
- Seiten
- 448
- Schlagwörter
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Kategorien
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik