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„Unsere täglichen Besuche gib uns heute …“
Krankenhausseelsorge und Besuchsverbot
Gerhard Hundsdorfer
BESUCHSVERBOT – Ein Wort, in großen Buchstaben und fetter Schrift
geschrieben und an jeder Zimmertür zu lesen, gehört seit Ausbruch der
Corona-Pandemie lange Zeit zum Krankenhausalltag wie Bereichsklei-
dung, FFP-Maske und Einmalhandschuhe.
Freundlich formuliert, aber doch konsequent gehandhabt in der Umset-
zung, gehört diese Maßnahme zu den erstgereihten, weil probatesten Mit-
teln im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus im Krankenhaus. Der
Schutz von Patientinnen und Patienten sowie von Krankenhausmitarbeite-
rinnen und -mitarbeitern rechtfertigte diese Grenzziehung, weswegen sie
auch von den Betroffenen größtenteils aus Vernunftgründen eingesehen
und befolgt wurde.
Trotzdem meldete sich in der emotionalen Befindlichkeit Widerstand,
setzte diese Maßnahme doch etwas aus, das für einen guten, menschlich
stimmig gestalteten Krankenhausaufenthalt bis dahin ebenso wichtig wie
unverzichtbar schien: die Möglichkeit, vertraute Menschen zu sehen, sich
persönlich nach dem Befinden seiner Lieben zu erkundigen, den Kranken-
hausalltag mit einem Gespräch über Gott und die Welt zu unterbrechen
und nicht zuletzt sich leibhaftig von einem sterbenden Menschen verab-
schieden zu können.
„Ich bitte Sie, Ihre Regelbesuche einzustellen. Standard ist nicht in der
Krise!“
In eben dieser Spannung von Einsicht und Widerstand bewegten sich in
diesen Tagen Krankenhausseelsorgerinnen und -seelsorger. Eine wesentli-
che Aufgabe ihres täglichen Dienstes war infolge des Besuchsverbots zu-
mindest eingeschränkt, wenn nicht gar verunmöglicht. Denn in nicht we-
nigen Kliniken stuften Krisenstäbe Seelsorgebesuche mit Blick auf die Ge-
samtsituation weniger hilfreich als vielmehr riskant ein. Frick fasst poin-
tiert zusammen:
1.
299
https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Buch Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise"
Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Titel
- Die Corona-Pandemie
- Untertitel
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Autoren
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Herausgeber
- Walter Schaupp
- Verlag
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Ort
- Baden-Baden
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Abmessungen
- 15.3 x 22.7 cm
- Seiten
- 448
- Schlagwörter
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Kategorien
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik