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be der Infektion im Krankenhaus darstellt (auch im Vergleich mit den üb-
rigen Gliedern des Behandlungsteams). Einen interessanten Gedanken
führt in diesem Zusammenhang Frick ein: Das englische Wort „to con-
tain“ bedeutet nicht nur „eindämmen“, sondern auch „enthalten“. Dem
Psychoanalytiker Bion zufolge meint dies das Anbieten eines heilenden
Gefäßes, die Verwandlung von toxischem, zerstörerischem Leid in Sinn
und Bedeutung. Damit ist eine spirituelle Dimension mitten in der materi-
ellen angesprochen und der spirituelle Kern der Sorge.15
Unbestritten ist ebenso, dass Seelsorge sich als Teil des Systems Kran-
kenhaus verstehen muss, sich damit an alle geltenden (Hygiene-)Regelun-
gen halten und sich ins therapeutische Konzept einfügen wird. „Seelsorge
funktioniert nicht mehr als Einzelgänger-Dasein“16, wie Roser treffend
feststellt.
Das für Krankenhausseelsorgerinnen und -seelsorger in vielen Kliniken
ausgesprochene Besuchsverbot scheint grundsätzlich der Frage würdig und
diskussionspflichtig zu sein. Die Fragestellung lautet: Was ist nun besser?
Seelsorge aus Sicherheitsgründen in ihrer Dienstausübung einzuschrän-
ken, sie gar daran zu hindern? Oder aber Seelsorgende nach vorheriger ein-
gehender (hygienischer) Unterweisung zu einer verantwortungsvollen
Dienstausübung zu befähigen, damit ihr Potential hinsichtlich der mit-
menschlichen Begleitung von Patientinnen und Patienten sowie deren An-
gehörigen genutzt werden kann – auch im Interesse einer Klinik?
„Es gibt einen Ort jenseits von richtig und falsch. Dort treffen wir
uns.“17 Dieser Satz wird dem mittelalterlichen Sufi Mewlana Rumi zuge-
schrieben und dient dem Jesuitenpater Klaus Mertes als Grundlage seiner
Überlegungen zur Diskussionskultur über Richtig oder Falsch in diesen
Zeiten. Er kommt zu dem Schluss:
Was geistlich richtig ist, wird sich in Corona-Zeiten nicht in der Hal-
tung des Rechthabens und Besserwissens finden lassen, sondern jen-
seits von richtig und falsch durch Empathie, durch Verantwortungsbe-
wusstsein und – sagen wir es ruhig – durch Gebet.18
Das heißt für die Krankenhausseelsorge und deren Verantwortungsträger
in den Teams und auf diözesaner Ebene, im Sinne einer kritisch-loyalen
Haltung das Gespräch mit den Verantwortungsträgern in den Kliniken zu
15 Vgl. Frick, Corona – eine spirituelle Erfahrung?, 205.
16 Roser, Krankenhausseelsorge und Spiritual Care, 229.
17 Zit. n. Mertes, Keine Zeit für Kommentare, 321.
18 Mertes, Keine Zeit für Kommentare, 322.
„Unsere täglichen Besuche gib uns heute …“ Krankenhausseelsorge und Besuchsverbot
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https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Buch Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise"
Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Titel
- Die Corona-Pandemie
- Untertitel
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Autoren
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Herausgeber
- Walter Schaupp
- Verlag
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Ort
- Baden-Baden
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Abmessungen
- 15.3 x 22.7 cm
- Seiten
- 448
- Schlagwörter
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Kategorien
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik