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ten nicht selten angeboten durch die kirchliche Seelsorge, unverzichtbar
zum System gehört. Wo immer solches Zusammenwirken gelingt – auf
Palliativstationen und in Hospizen an der Tagesordnung, in Krankenhäu-
sern vielerorts gut eingespielt –, wird sichtbar, wie sehr Seelsorge für alle
Beteiligten, sowohl für die PatientInnen als auch für die anderen Berufs-
gruppen, eine Bereicherung darstellen und einen wesentlichen Beitrag für
die Bewältigung von Krisen leisten kann.
Seelsorge beginnt nicht mit liturgischem Handeln, sondern im Mitge-
hen von Lebenswegen und im Mitaushalten von Leidenssituationen, viel-
leicht beim Halten der Hand am Krankenbett. In der Krise hat sich ge-
zeigt, dass Seelsorge im System Krankenhaus sehr wohl gefragt war. Für
Gemeinde-Seelsorge war es so gut wie nicht möglich, Zugang in die Ein-
richtung zu bekommen. Kirchenleitungen und Personalabteilungen soll-
ten diese Chance der kategorialen Seelsorge auch mit Blick auf künftige
Pastoralplanungen nicht leichtfertig verspielen.
Lebensbejahende Seelsorge: Glaube – Hoffnung – Liebe
Weniger öffentlichkeitswirksam als Liturgie und Ethik ist die ganz grund-
legende Unterstützung von Menschen in der Bewältigung der Krise – ich
nenne es den Dienst der Lebensbejahung. Und ich wähle für einen Blick
darauf die biblische Trias Glaube, Hoffnung und Liebe aus dem Korinther-
brief des Apostels Paulus (1 Kor 13).
Glaube: „Vertikale Resonanz“ (H. Rosa)
Wie oben erwähnt, unterstreicht die WHO die spirituelle Dimension von
menschlichem Leid. Freilich ist spirituell hier ein sehr weitgefasster Begriff
für das Bedürfnis nach Sinn und Orientierung. Aber immerhin können
sich hier Medizin und Theologie hervorragend treffen. Dabei steht freilich
nicht das Glaubensbekenntnis im Vordergrund, sondern vielmehr die Aus-
einandersetzung um Sinn und Bedeutung der eigenen Lebenslage.
Der Soziologe Hartmut Rosa schreibt in seinem Buch Resonanz7 über
die Dimensionen eines gelingenden Lebens. Ohne Zweifel gehört für ihn
neben der horizontalen (Begegnung) und der diagonalen (Interessen, Be-
3.2
3.2.1
7 Siehe Rosa, Resonanz.
Christoph Seidl
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https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Buch Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise"
Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Titel
- Die Corona-Pandemie
- Untertitel
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Autoren
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Herausgeber
- Walter Schaupp
- Verlag
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Ort
- Baden-Baden
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Abmessungen
- 15.3 x 22.7 cm
- Seiten
- 448
- Schlagwörter
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Kategorien
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik