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Universitäten) verteilen sich in der Gesellschaft sehr unterschiedlich. Au-
ßerdem fällt der Genderaspekt ins Gewicht. Soziologen stellen zum Bei-
spiel eine „Re-Traditionalisierung“ geschlechtsbezogener Rollenbilder in
der Corona-Krise fest.2
Die Corona-Krise wirft auf vielfältige Weise Gerechtigkeitsfragen auf.
Und sie verschärft die Lage von besonders vulnerablen und marginalisier-
ten Bevölkerungsgruppen. Das sind Herausforderungen, denen sich Diako-
nie und Caritas immer schon stellen. Ihre Grundsätze und ihr Selbstver-
ständnis sind gerade jetzt in besonderer Weise gefordert.3 Wie stehen An-
spruch und Wirklichkeit diakonischer Arbeit zueinander? Wie weit gelingt
es diakonischen Einrichtungen und Unternehmen, ihre christlich gepräg-
ten Grundsätze sozialer Arbeit auch in einer Extremsituation wie der
Corona-Pandemie mit Leben zu erfüllen?
Die Aufgabe von Kirche und Diakonie in Zeiten von Corona
Die Corona-Krise ist auch ein Stresstest und eine Bewährungsprobe für
Theologie und Kirche. Im Ausnahmezustand entdeckten Gesellschaft und
Politik, wie wichtig nicht nur Ärzte und Pflegekräfte, sondern auch Poli-
zisten, Soldaten und Verkäuferinnen sind. Ihnen wurde öffentlich applau-
diert. Von Pfarrern und Pfarrerinnen war nicht die Rede. Vom Lockdown
gab es für die Kirchen und andere Religionsgemeinschaften keine Ausnah-
men. Religion, so die Lehre der zurückliegenden Monate, ist in der säkula-
ren Gesellschaft nicht „systemrelevant“. Kirchen, Synagogen und Mosche-
en wurden geschlossen, öffentliche Gottesdienste und das Freitagsgebet
untersagt, während Baumärkte und Gartencenter geöffnet blieben oder
gleich nach Ostern wieder aufsperren durften. Religiöse Familienfeiern
mussten weitgehend unterbleiben, Trauungen und Taufen verschoben
werden. Beerdigungen durften nur im engsten Familienkreis stattfinden,
und die Klinikseelsorge wurde vielfach aus den stationären Einrichtungen
ausgesperrt, es sei denn, sie ist fester Bestandteil des Behandlungsteams.
Manche Seelsorgerinnen und Seelsorger in Rufbereitschaft mussten frei-
lich auch die kränkende Erfahrung machen, von Angehörigen gar nicht
gerufen zu werden.
2.
2 Vgl. Allmendinger, Die Frauen verlieren ihre Würde.
3 Vgl. Moser, Ethische Konflikte in Zeiten von Corona.
Ulrich H.J. Körtner
344
https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Buch Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise"
Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Titel
- Die Corona-Pandemie
- Untertitel
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Autoren
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Herausgeber
- Walter Schaupp
- Verlag
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Ort
- Baden-Baden
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Abmessungen
- 15.3 x 22.7 cm
- Seiten
- 448
- Schlagwörter
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Kategorien
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik