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Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
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Das menschliche Sinnbedürfnis übersteigt aber auch die Sphäre des Kul- turbetriebs, des Sports und der Unterhaltungsindustrie, die infolge der Corona-Krise erheblich zu leiden haben. Die globalen Auswirkungen der Corona-Pandemie lassen sich insgesamt noch gar nicht ganz abschätzen. Vor ihrer theologischen Überhöhung aber möchte ich warnen. „Not“ – da hat der österreichische Schriftsteller Karl-Markus Gauß recht – „ist kein spirituelles Erweckungserlebnis und die Krise keine moralische Erzie- hungsanstalt“7. Und doch kann auch in einer säkularen Gesellschaft vom Evangelium eine befreiende Kraft ausgehen. Auch schafft der Verlust an Systemrelevanz für Theologie und Kirche neue Freiräume und ist nicht bloß zu beklagen. Schließlich geht das Reich Gottes nicht in bestehenden Gesellschaftssystemen und ihrer Optimierung auf, sondern es transzen- diert und durchbricht diese. Das systemkritische Potenzial der christlichen Hoffnung auf das Reich Gottes, um dessen Kommen Sonntag für Sonntag im Vaterunser gebetet wird, ist daher auch nicht auf wohlfeile Kapitalis- muskritik und kirchlicher Betroffenheitsrhetorik zu reduzieren. Im Verlust an Systemrelevanz liegt für Kirche und Theologie die Chan- ce, aus der babylonischen Gefangenschaft einer auf reine Diesseitigkeit re- duzierten Moralanstalt befreit zu werden. Der Glaube ist kein Muss. Er bleibt aber eine Option,8 wie auch Gott nicht notwendig, sondern – mit Eberhard Jüngel gesprochen9 – mehr als notwendig ist und unseren Wirk- lichkeitssinn gerade dadurch schärft, dass er uns mit Möglichkeitssinn be- gabt. Selbst in einer Minderheitenposition sind Theologie und Kirche be- rufen, der Welt als Gottes Schöpfung zugewandt zu bleiben. Kirche und Diakonie haben die Aufgabe, der Welt durch ihre Verkündi- gung wie durch ihr praktisches Tun das Evangelium und Gottes bedin- gungslose Hinwendung zu den Menschen und zu seiner Schöpfung zu be- zeugen. Das Evangelium ist eine Ressource des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung, nicht nur der Resilienz, sondern auch der Solidarität und Zuwendung zu den Menschen, die unserer Hilfe bedürfen. Die biblische Botschaft in Zeiten von Corona lässt sich mit einem Satz aus dem 2. Timo- theusbrief auf den Punkt bringen: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit“ (2Tim 1,7). 7 Gauß, „Krise ist keine moralische Erziehungsanstalt“. 8 Vgl. Taylor, Ein säkulares Zeitalter 843–1279; siehe auch Joas, Glaube als Option. 9 Vgl. Jüngel, Gott als Geheimnis der Welt, 30. Ulrich H.J. Körtner 346 https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08 Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Die Corona-Pandemie Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
Titel
Die Corona-Pandemie
Untertitel
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
Autoren
Wolfgang Kröll
Johann Platzer
Hans-Walter Ruckenbauer
Herausgeber
Walter Schaupp
Verlag
Nomos Verlagsgesellschaft
Ort
Baden-Baden
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-7489-1058-9
Abmessungen
15.3 x 22.7 cm
Seiten
448
Schlagwörter
Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
Kategorien
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