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Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
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auch nicht an COVID-19 erkrankte Patientinnen und Patienten von der Triage betroffen sein können. Ein besonderes Augenmerk ist weiter auf die Situation und Entwick- lung in stationären Pflegeeinrichtungen zu richten.21 Es besteht die Ge- fahr, dass an COVID-19 erkrankte Bewohner zu rasch in Krankenhäuser verlegt werden. Hier bedarf es einer Vor-Triage, bei der im Sinne des Ad- vanced Care Planning überprüft wird, ob ein Patient nicht in der Pflegeein- richtung verbleiben und gegebenenfalls auch dort mit palliativer Beglei- tung versterben kann. Solche Entscheidungen bedürfen aber einer sorgfäl- tigen Abwägung und Rechtfertigung, weil andernfalls für Pflegeheimbe- wohner das Alter zum Ausschlusskriterium würde. Das aber verstieße ge- gen das geltend gemachte Verbot der Altersdiskriminierung. Auch in die- sem Fall ist multiprofessionelle Klinische Ethikberatung wünschenswert, die nicht erst bei Einzelentscheidungen unterstützend wirken kann, son- dern schon bei der Erstellung einer hausinternen Leitlinie. Ethische Kultur und Umgang mit Grenzerfahrungen und Schuld Politiker wie Ärztinnen, Ärzte und Pflegefachkräfte, aber auch Leitungs- personen in Krankenhäusern und diakonischen Einrichtungen müssen schwerwiegende Entscheidungen treffen, auch auf die Gefahr hin, das Fal- sche zu tun. Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn sagte im April 2020: „Wir werden in ein paar Monaten wahrscheinlich viel einander ver- zeihen müssen.“ Christliche Ethik weiß um die Grenzen des Ethischen, die Fehlbarkeit des Menschen, um Schuld, aber auch um Vergebung. Ich wün- sche mir in Kranken- und Pflegehäusern in kirchlicher oder diakonischer Trägerschaft eine ethische Kultur, die von dieser Einsicht und vom Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit geprägt ist. Konkret sollte sich dies in einer ethischen Beratungskultur niederschla- gen, die wohl noch an vielen Stellen ausbaufähig ist. Das Klinikpersonal benötigt psychosoziale und seelsorgliche Begleitung, auch um mit mögli- chen Schuldgefühlen zurechtzukommen. Die Krankenhausseelsorge kann hier einen wichtigen Beitrag leisten. Ärzte und Pflegepersonen brauchen nicht nur Ethikberatung, sondern auch Trost und Beistand. 6. 21 Vgl. Schweizer Nationale Ethikkommission im Bereich Humanmedizin, Schutz der Persönlichkeit in Institutionen der Langzeitpflege; vgl. Akademie für Ethik in der Medizin, Pflegeethische Reflexion der Maßnahmen zur Eindämmung von Covid-19; siehe dazu auch den Beitrag von Dinges in diesem Band. Ulrich H.J. Körtner 352 https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08 Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Die Corona-Pandemie Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
Titel
Die Corona-Pandemie
Untertitel
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
Autoren
Wolfgang Kröll
Johann Platzer
Hans-Walter Ruckenbauer
Herausgeber
Walter Schaupp
Verlag
Nomos Verlagsgesellschaft
Ort
Baden-Baden
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-7489-1058-9
Abmessungen
15.3 x 22.7 cm
Seiten
448
Schlagwörter
Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
Kategorien
Coronavirus
Medizin
Recht und Politik
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