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Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
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Die Schmerzen der Krise und der sterbliche Mensch Die Leiden an der Pandemie sind vielgestaltig, schließlich hat die Krise ne- ben physischen auch psychische, soziale und existentielle, ökonomische und ökologische Auswirkungen. Natürlich weiß jeder, dem schon mal et- was wehgetan hat: mitunter haben Schmerzen ihr Gutes; denn sie signali- sieren uns, dass etwas nicht in Ordnung ist, und sie motivieren uns, etwas zu verändern – Fehler zu korrigieren oder uns neu auf veränderte Situatio- nen einzustellen. So ist man gut beraten, mit Zahnschmerzen zum Zahn- arzt zu gehen, weniger Süßes zu essen und die Zahnpflege zu verbessern. Durch schmerzliche Prozesse hindurch entwickeln sich Menschen weiter, kommen Gesellschaften voran. Doch scheinen die Folgen der Corona- Krise vielen zu weh zu tun, als dass sie dadurch gerechtfertigt wären. Ich möchte auf einen tiefer reichenden Sinngehalt des Schmerzes schau- en: Krankheit und Leid führen uns unsere Verwundbarkeit vor Augen, und zwar eine Verwundbarkeit, die unausweichlich zu unserer Existenz als Menschen gehört. Wer ernsthaft erkrankt, wird schmerzhaft daran erin- nert, dass er sterblich ist – und erinnert andere daran. Während wir im All- tag so leben, als ob wir unsterblich wären, holt uns das lebensgefährdende Virus wie jede schwere Krankheit auf den Boden der existentiellen Tatsa- chen zurück: die große Aufmerksamkeit für Sterberaten im Zusammen- hang mit Covid-19 belegt das. Die Angst vor dem eigenen Sterben wie vor dem Tod Nahestehender dürfte ebenso wie die Angst davor, den Tod ande- rer zu verschulden, eine große Rolle bei der Akzeptanz von freiheitsbe- schränkenden Maßnahmen gespielt haben; umgekehrt wird vielerorts um- so ungeduldiger auf Lockerungen gedrängt, je stärker die Todesgefahr ge- bannt scheint. Ist es sinnvoll, sich den eigenen Tod bewusst zu machen? Schon die Bi- bel rät: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ (Ps 90,12) Für Irvin Yalom ist das Bewusstsein um die eigene Sterblichkeit von zentraler Bedeutung für das Selbstverständnis und Welt- verhältnis des Menschen4. Eine oft nicht bewusste und bedachte Angst vor dem Tod, so seine These, spielt mehr in viele Lebenserfahrungen und -probleme hinein, als wir meinen. Krisen wie die Pandemie lenken unse- ren Blick darauf; das gefährliche Corona-Virus versperrt den Fluchtweg in Verdrängung und Vermeidung. Zusammen mit dem Tod erörtert Yalom in seiner existentiellen Psycho- therapie noch drei weitere Grundkonstanten menschlichen Daseins, die 1. 4 Vgl. Yalom, In die Sonne schauen; Yalom, Existenzielle Psychotherapie, 45–95. Das Virus, der sterbliche Mensch und Gott 361 https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08 Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Die Corona-Pandemie Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
Titel
Die Corona-Pandemie
Untertitel
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
Autoren
Wolfgang Kröll
Johann Platzer
Hans-Walter Ruckenbauer
Herausgeber
Walter Schaupp
Verlag
Nomos Verlagsgesellschaft
Ort
Baden-Baden
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-7489-1058-9
Abmessungen
15.3 x 22.7 cm
Seiten
448
Schlagwörter
Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
Kategorien
Coronavirus
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