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Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
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uns durch Krisen wie die gegenwärtige schmerzlich bewusst werden: Frei- heit, Isolation und Sinnlosigkeit5. Diese vier Phänomene führen den Men- schen in Spannungen, die es zu gestalten gelte. So steht der Tod in Spannung zu unserer Sehnsucht nach Leben und Lebendigkeit, das drohende Nicht-mehr-sein in Spannung zu unserem Stre- ben nach Ganz-Sein (Heidegger). Mit „Freiheit“ meint Yalom das Fehlen einer Orientierung gebenden Struktur für unser Wollen und Handeln6. Frei von Vorgaben müsse und könne der Mensch aus sich heraus sein Leben verantworten, in Spannung zu seinem Wunsch nach einer bergenden guten Ordnung. In der gegen- wärtigen Corona-Krise zeigt sich das etwa in der Unsicherheit, an welchen Werten Maßnahmen zur Eindämmung des Virus auszurichten seien: Was gilt es mehr zu schützen – die leibliche Gesundheit, das Leben als solches? Oder die freie Selbstbestimmung auf der Suche nach persönlicher Lebens- qualität? Was zählt die Würde des Einzelnen, was bedeutet gesellschaftli- che Solidarität? Mit „Isolation“ bezeichnet Yalom das existentielle Alleinsein des Men- schen in Spannung zu seinem Wunsch, Teil eines größeren Ganzen zu sein, mit anderen zu verschmelzen7. Nur radikale Akzeptanz einer letzten Einsamkeit befähige den Menschen, gute Gemeinschaft mit anderen zu su- chen und zu erleben. In Zeiten von Corona kommt hier einem sofort die isolierende Wirkung des Virus und seine Bekämpfung durch Kontaktver- bote in den Sinn, die bis hin zu einsamem Sterben – und Trauern – ge- führt haben. Als vierte Grundgegebenheit des Lebens nennt Yalom die Sinnlosigkeit, d.  h., das Fehlen eines umfassenden Sinnes für unser Dasein, das in Span- nung steht zu unserer Ausrichtung auf Sinn und Bedeutung8. Yalom emp- fiehlt mit dieser Spannung zu leben, indem man die Frage nach dem Sinn im Großen fallenlässt und stattdessen durch praktisches Tun Sinn im Klei- nen stiftet. Sich diesen Grundgegebenheiten zu stellen und konstruktiv mit ihnen umzugehen, mache die Größe des Menschen aus, so Yalom. Für ihn ist diese „Auseinandersetzung mit Gegebenheiten der menschlichen Existenz schmerzhaft, aber letztlich heilsam.“9 5 Vgl. Yalom, Existenzielle Psychotherapie, 20–22. Zusammen bilden sie die vier Grundgegebenheiten (ultimate concerns), um die herum Yalom seine Psychothera- pie entwickelt. 6 Vgl. Yalom, Existenzielle Psychotherapie, 333–408. 7 Vgl. Yalom, Existenzielle Psychotherapie, 411–455, insbes. 455. 8 Vgl. Yalom, Existenzielle Psychotherapie, 485–558, insbes. 556f. 9 Yalom, Existenzielle Psychotherapie, 27. Martin Splett 362 https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08 Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Die Corona-Pandemie Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
Titel
Die Corona-Pandemie
Untertitel
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
Autoren
Wolfgang Kröll
Johann Platzer
Hans-Walter Ruckenbauer
Herausgeber
Walter Schaupp
Verlag
Nomos Verlagsgesellschaft
Ort
Baden-Baden
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-7489-1058-9
Abmessungen
15.3 x 22.7 cm
Seiten
448
Schlagwörter
Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
Kategorien
Coronavirus
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