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Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
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Doch ist das Festhalten am Glauben an Gott ohne Erklärung für sinnlo- ses Leiden nicht töricht? – Gegenfrage: Lässt sich das Übel in der Welt oh- ne Gott wirklich einfacher erklären? Dazu hier nur ein Gedanke15: Wenn der Protest von Leidenden gegen ihr unschuldiges sinnloses Leiden sinn- voll sein soll, dann setzt dies die Idee einer guten sinnvollen Ordnung vor- aus, auf die sich der Protestierende berufen kann. In einer zufällig entstan- denen Natur ist alles gleich-gültig, Tsunamis wie Viren machen keine Un- terschiede. Mit welchem Recht also dürften wir fordern, dass es gerecht und sinnvoll zugehen müsse? Und zugleich macht genau dies die Würde von Opfern aus: gegen Unrecht und Sinnlosigkeit zu protestieren und da- rauf hinzuweisen, es sollte anders sein! Doch das Fehlen von Sinn kann ei- gentlich nicht sinnvoll beklagt werden ohne die reale Möglichkeit einer sinnvollen Ordnung – und die braucht einen Sinnstifter, der nicht nur als ursprünglicher Schöpfer, sondern auch als bleibender Garant von Sinn zu denken ist: Gott. Wer Unrecht anprangert, setzt auf Gerechtigkeit. Die Kla- ge gegen Widersinn setzt Sinn voraus. Der Glaube an Gott beantwortet nicht die Frage nach dem Woher und Wozu des Übels, doch bietet er einen Rahmen, in dem sie sinnvoll gestellt werden kann. Und er bietet die Aussicht auf Antwort. Das rechtfertigt nicht den Schmerz des Leides, der durch das Ausbleiben einer Antwort sogar noch gesteigert wird. Doch Gott bleibt im Spiel, als Angeklagter – und zugleich als Grund für die Hoffnung, dass einmal alles gut wird, dass Gott „alle Tränen abwischen wird“. (Offb 21,4) Die Bedeutung eines Halts in Gott für Haltung und Verhalten in (Sinn-)Krisen Krankheiten und Krisen stoßen uns auf Grundfragen des Lebens, der Glau- be bietet Sinnperspektiven, zugleich stellt sinnwidriges Leiden diesen Glauben in Frage – wobei sinnvolles Aufbegehren auf der Annahme von Ordnung statt Chaos bzw. von Sinn statt Gleichgültigkeit beruht. Auf die- sem Hintergrund seien einige Konsequenzen für einen gläubigen Umgang mit der Corona-Krise skizziert. Der Glaube an die Überlegenheit von Leben und Liebe über den Tod befreit dazu, Sterben und Tod in den Blick zu nehmen und anderen beizu- stehen, die davon betroffen sind. Der Glaube an eine gute Ordnung ermu- 4. 15 Wichtige Impulse dazu verdanke ich meinem Vater Jörg Splett, u.  a. in Splett, Denken vor Gott, 207–255. Martin Splett 366 https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08 Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Die Corona-Pandemie Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
Titel
Die Corona-Pandemie
Untertitel
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
Autoren
Wolfgang Kröll
Johann Platzer
Hans-Walter Ruckenbauer
Herausgeber
Walter Schaupp
Verlag
Nomos Verlagsgesellschaft
Ort
Baden-Baden
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-7489-1058-9
Abmessungen
15.3 x 22.7 cm
Seiten
448
Schlagwörter
Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
Kategorien
Coronavirus
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