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tigt zum persönlichen wie solidarischen Kampf gegen Not und Leid. Die
Hoffnung auf Gott erleichtert mitunter (beileibe nicht immer) auszuhal-
ten, was unsere Macht übersteigt; sie kann erleichtern, Sinnwidrigem zu
begegnen, mit „Widerstand und Ergebung“ (Bonhoeffer) – denn statt eines
abstrakten Schicksals hat der Glaubende ein konkretes Gegenüber für sein
Bitten und Klagen, aber auch für Lob und Dank: Gott. In Situationen von
Verzweiflung und Einsamkeit dürfen Gläubige darauf bauen, niemals al-
leine zu sein, weil Gott immer da ist; wenn wir vieles nicht verstehen,
dann ist da wenigstens einer, der alles versteht…
Wer an Gott glaubt, weiß nicht besser Bescheid, wie gegen das Virus
vorzugehen ist. Mit Gott hat man es nicht unbedingt leichter in Krisen,
doch man hat eine Stärke: „Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Ver-
zagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Beson-
nenheit.“ (2 Tim 1,7) Auch Gläubige stehen in der existentiellen Spannung
von Leben und Tod, von Sinn und Sinnlosigkeit, von Ordnung und Frei-
heit, von Verbundenheit und Alleinsein. Ohne das Dunkle zu verneinen
oder zu verdrängen, bleiben sie für das Helle empfänglich. Zum Glauben
gehört die Hoffnung, dass Leben, Liebe und Sinn das letzte Wort haben
werden und nicht Tod, Lieb- und Sinnlosigkeit. Und das ist nicht nur eine
Perspektive für irgendwann – und sei es in einem Jenseits –, sondern das
kann uns hier und jetzt schon froh und auch gelassen machen (auch wenn
uns nicht immer fröhlich zumute ist). Darum bleibt gerade in Krisenzeiten
die Freude als eine christliche Grundhaltung dem Leben gegenüber wich-
tig. Es gibt neben dem Leidvollen auch viel Gutes, über das wir uns freuen
dürfen; und diese Freude sollten wir auch teilen.
Was also tun in Krisenzeiten wie diesen? Christen sei das benediktini-
sche „Bete und arbeite“ ans Herz gelegt, und das mit Martin Luther: „Bete,
als ob alles Arbeiten nichts nützt; und arbeite, als ob alles Beten nichts
nützt.“ Dazu abschließend ein bekanntes Gebet von Reinhold Niebuhr:
„Gott, gib mir den Mut zu ändern, was ich ändern kann;
die Gelassenheit hinzunehmen, was ich nicht ändern kann;
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“
Das Virus, der sterbliche Mensch und Gott
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https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Buch Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise"
Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Titel
- Die Corona-Pandemie
- Untertitel
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Autoren
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Herausgeber
- Walter Schaupp
- Verlag
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Ort
- Baden-Baden
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Abmessungen
- 15.3 x 22.7 cm
- Seiten
- 448
- Schlagwörter
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Kategorien
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik