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Gottesdienst und rituelles Handeln in der Pandemie-Krise.
Erste Sichtungen aus einer liturgiewissenschaftlichen
Perspektive
Stephan Winter
Einleitung
Die Pandemie-Krise war und ist nach wie vor auch eine extreme Heraus-
forderung im Blick auf religiös-rituelle Praxen bzw. öffentliches rituelles
Handeln überhaupt. Zudem haben sich diesbezüglich theologische, sozio-
logische, geschichts- und kulturwissenschaftliche sowie juristische Diskur-
se zu unterschiedlichen Themenfeldern entwickelt. Die enormen Dynami-
ken auf verschiedenen Ebenen, die damit nur anfänglich benannt sein sol-
len, lassen es derzeit noch nicht zu, sie übersichtlich darzustellen. Ange-
sichts dessen wird deren Geschichte seriös erst zu einem späteren Zeit-
punkt geschrieben werden können. Dennoch sind erste Sichtungen und
Einordnungsversuche möglich, die hier aus einer liturgiewissenschaftli-
chen Perspektive vorgenommen werden.
Das prekäre Verhältnis von Social Distancing und Distant Socializing als
„Zeichen der Zeit“ einer Welt im Pandemie-Modus
Die Corona-Pandemie hat in ungeahntem Maße bislang wenig präsente
Fragen nach der Zukunft der Menschheit katalysiert, umgekehrt hat sie
Fragen, die noch bis vor Kurzem als die drängendsten empfunden worden
waren (genannt seien nur Stichworte wie „Klimakatastrophe“, „Flucht-
und Migrationsbewegungen“, „innerstaatliche und zwischenstaatliche
Konflikte, z. B. im Nahen und Mittleren Osten“ usw.), erst einmal medial
in den Hintergrund treten lassen. Mittlerweile werden allerdings auch die
komplexen Zusammenhänge immer mehr thematisiert. Der Berliner So-
ziologe Steffen Mau schrieb dazu in seiner Situationsanalyse, dass in der
Krise ein verändertes Verhältnis zueinander schlummere: „Allem ‚Social
Distancing‘ zum Trotz mag es sein, dass wir einander näher rücken, wobei
wir das ‚Distant Socializing’ erst noch einüben müssen.“ Die Krise sei ein
„gesellschaftlicher Erfahrungsschock, der uns vor Augen führt, wie ver-
1.
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https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Titel
- Die Corona-Pandemie
- Untertitel
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Autoren
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Herausgeber
- Walter Schaupp
- Verlag
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Ort
- Baden-Baden
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Abmessungen
- 15.3 x 22.7 cm
- Seiten
- 448
- Schlagwörter
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Kategorien
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik