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wertvolle Arbeit in der Führung und Informationsweitergabe ge-
leistet. Denn um die Ängste minimieren zu können, war es not-
wendig, viele Gespräche zu führen und die Sorgen und Bedenken
ernst zu nehmen. Profitiert haben wir sicher davon, dass unser
Ärztlicher Direktor Mitglied im Krisenstab des Unternehmens ist
und hier eine enge Abstimmung und Beratung mit den Vorstän-
den und der Geschäftsführung stattgefunden hat. Ergänzend dazu
haben unsere Ärzte Informationen aus anderen Krankenhäusern
im In- und Ausland eingeholt. Dadurch hatten wir auch die Gele-
genheit, von diesen Erfahrungen unsere Vorgehensweise abzulei-
ten. So wussten wir zum Beispiel, dass wir im schlimmsten Fall
mit einem Massenansturm von Intensivpatienten rechnen muss-
ten, und konnten uns auf diese Eventualität vorbereiten.
Gemeinsam mit Führungskräften aus den Bereichen der Pflege,
der Ärzteschaft und den technischen Betrieben wurde an einem
Wochenende ein Plan für notwendige Veränderungen erarbeitet.
Wir haben nicht nur die Notaufnahmen in die Versorgung für in-
fizierte und nicht-infizierte Patienten getrennt, auch die stationä-
ren Versorgungsbereiche mussten entsprechend neu organisiert
und umgestaltet werden. Dazu haben wir Covid-19-Verdachtssta-
tionen, Covid-19-Stationen und Covid-19-Negativstationen auf
den Universitätskliniken für Chirurgie, Innere Medizin, Frauen-
heilkunde und Geburtshilfe und auch auf der Universitätsklinik
für Kinder- und Jugendheilkunde sowie Kinder- und Jugendchir-
urgie installiert. Diese Aufteilung der Patientenströme hat sehr
gut funktioniert, da es eine sehr klare Trennung der Patienten
gab. Die Herausforderung war, dass für diese Vorgehensweise ein
höherer Personaleinsatz notwendig war. Und die tägliche Arbeit
auf diesen Stationen war für das eingesetzte Personal, bedingt
auch durch das Tragen der vollen Schutzausrüstung über mehrere
Stunden, sehr anstrengend. Um Infektionen beim Personal mög-
lichst zu vermeiden, war es wichtig, das richtige Handling und
den korrekten Umgang mit der Schutzausrüstung gut zu schulen
und zu sensibilisieren.
Durch das Lockdown haben wir nicht alle Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter zur Behandlung und Betreuung vor Ort gebraucht.
Hier gab es seitens des Unternehmens die Möglichkeit, Kollegin-
nen und Kollegen bei vollen Bezügen dienstfrei zu stellen. Sie
mussten dabei aber jederzeit für einen notwendigen Einsatz zur
Verfügung stehen. Damit haben wir Personalreserven geschaffen,
auf die wir im Bedarf bei Ausfällen zurückgreifen hätten können.
Der Umgang mit der Covid-19 Krise aus der Sicht der eines Universitätsklinikums
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https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Buch Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise"
Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Titel
- Die Corona-Pandemie
- Untertitel
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Autoren
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Herausgeber
- Walter Schaupp
- Verlag
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Ort
- Baden-Baden
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Abmessungen
- 15.3 x 22.7 cm
- Seiten
- 448
- Schlagwörter
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Kategorien
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik