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aufgelassen. Das dort eigens eingesetzte Pflegepersonal wurde auf
das Vorliegen einer Infektion getestet, bevor es wieder in seine
Stammbereiche zurückkehrte.
Kröll: Was hast du persönlich für dich, für dein privates Umfeld, aber auch
für deinen Verantwortungsbereich innerhalb des Klinikums mitgenom-
men? Gibt es etwas, das du ändern möchtest oder das du ändern wirst?
Tax: Was ich für mich in meinen Verantwortungsbereich mitgenom-
men habe, ist, dass es sehr wichtig ist, die Mitarbeiter regelmäßig
zu informieren, diese Informationen gut überlegt weiterzugeben
und auf die Ängste, Bedenken und Bedürfnisse der Mitarbeiter
einzugehen und zu evaluieren, was insgesamt machbar ist. Wich-
tig für meinen Bereich ist auch, den Kolleginnen und Kollegen zu
vermitteln, dass man sie ernst nimmt, dass man für sie da ist, dass
sie sich jederzeit an ihre unmittelbaren Vorgesetzten wenden
können. Spannend war für mich auch, zu sehen, dass wir in kur-
zer Zeit Dinge geändert haben, worüber wir davor oft jahrelang
erfolglos diskutiert hatten. Ganz besonders hat mir diese sehr for-
dernde und schwierige Zeit als Krankenhausleitung gezeigt, wie
wichtig eine vertrauensvolle und gute Zusammenarbeit ist. Es ist
wertvoll, dass anfallende Themen interdisziplinär rasch bespro-
chen werden. Wichtig ist aber auch, dass es möglich ist, immer
dann, wenn Fragen auftreten, diese kurzfristig im Direktorium zu
besprechen, zu bewerten, Maßnahmen einzuleiten und diese
dann zeitnah den Mitarbeitern zu kommunizieren. Dass ein der-
artiges Vorgehen erwünscht ist und sich positiv auswirkt, wurde
mir auch wiederholt von den Mitarbeitern rückgemeldet. Durch
die Miteinbindung und das tägliche Update in der Zeit des Lock-
downs wurde ihnen das Gefühl vermittelt, dass sie gut durch die
Krise geführt worden sind und sie sich so auf ihre Tätigkeit bei
den Patienten konzentrieren konnten. Entscheidend für das
Funktionieren der Versorgung von Patienten ist auch die enge
und gute interdisziplinäre Zusammenarbeit. Ich möchte aber
auch besonders die Zusammenarbeit mit den verantwortlichen
Mitarbeitern der Betriebsorganisation hervorheben. Ambulanzen,
Stationen und Bereiche wurden ausgesiedelt und es wurden eige-
ne Covid-19-Bereiche gestaltet. Hier wurde nicht diskutiert, son-
dern alle Mitarbeiter waren hoch motiviert Hand anzulegen, wo
sie gerade gebraucht wurden, und vieles wurde wirklich inner-
halb kürzester Zeit realisiert. Dabei darf man nicht vergessen, dass
Maßnahmen von Seiten der Logistik, der Wirtschaft und der Or-
Christa Tax, Gebhard Falzberger, Wolfgang Köle – befragt von Wolfgang Kröll
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https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Buch Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise"
Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Titel
- Die Corona-Pandemie
- Untertitel
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Autoren
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Herausgeber
- Walter Schaupp
- Verlag
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Ort
- Baden-Baden
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Abmessungen
- 15.3 x 22.7 cm
- Seiten
- 448
- Schlagwörter
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Kategorien
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik