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Kröll: Welche Maßnahmen wurden seitens der Betriebsdirektion getrof-
fen, sodass es beim An- und Abtransport von Gütern zu keiner
Keimverschleppung – weder zu einer Verschleppung von Keimen
in das Krankenhaus noch zu einer Verschleppung nach außen –
gekommen ist?
Falzberger: Sämtliche von den Experten empfohlene Maßnahmen für
die Verhinderung einer Keimverschleppung wurden entspre-
chend eingehalten. Selbstverständlich hat sich der Desinfekti-
onsmittelverbrauch am Klinikum während dieser Krisenzeit
enorm gesteigert. Zudem haben wir auch versucht, outge-
sourcte Bereiche, wie z. B. den Bereich des Reinigungsdiens-
tes, mit Schutzausrüstungen zu unterstützen.
Kröll: Tausende operative Eingriffe und Behandlungen mussten pande-
miebedingt abgesagt bzw. auf einen späteren Zeitpunkt verscho-
ben werden. Das führt aus betriebswirtschaftlicher Sicht zu einer
enormen Umsatzeinbuße. Wie gehst du damit um? Wird dieser
Verlust durch das Land Steiermark abgedeckt? Oder musst du ir-
gendwo den Sparstift ansetzen? Und vor allem: Was bedeutet die-
ser Umsatzeinbruch für die Weiterführung des Um- und Neubaus
der Universitätsklinik für Chirurgie?
Falzberger: Wir leben, Gott sei Dank, in Österreich und unser System
der „leistungsorientierten Krankenanstaltenfinanzierung“
(LKF-System) ist anders organisiert als im europäischen Um-
feld, sodass wir zumindest aufgrund der Absagen von opera-
tiven Eingriffen und Behandlungen kein finanzielles Prob-
lem haben. Wir hoffen, dass coronabedingte Verluste durch
das Land Steiermark abgedeckt werden. Es ist unmöglich,
überall den Sparstift anzusetzen. Hier muss eine Entschei-
dung getroffen werden, die unsere Generation für nachfol-
gende Generationen zu treffen hat. In erster Linie wird die
gesamte Bevölkerung, aber auch die derzeitige und zukünfti-
ge Bundesregierung noch jahrelang, wenn nicht sogar jahr-
zehntelang, damit beschäftigt sein. Wir versuchen, unseren
eigenen Bereich, aber auch insgesamt die steirische Spitals-
landschaft so zu adaptieren, dass diese für möglicherweise
auftretende ähnliche Krisensituationen künftig gut gerüstet
sind. Wir haben festgestellt, dass nicht das Gesamtbettenpro-
blem ein Thema ist, sondern dass es, falls überhaupt, im Be-
reich der Intensivbehandlungsbetten knapp werden könnte.
Das spricht aus meiner Sicht dafür, dass die Gesundheitsre-
Christa Tax, Gebhard Falzberger, Wolfgang Köle – befragt von Wolfgang Kröll
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https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Buch Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise"
Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Titel
- Die Corona-Pandemie
- Untertitel
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Autoren
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Herausgeber
- Walter Schaupp
- Verlag
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Ort
- Baden-Baden
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Abmessungen
- 15.3 x 22.7 cm
- Seiten
- 448
- Schlagwörter
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Kategorien
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik