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könnten, und die haben, wie zu erwarten, andere Menschen im
Krankenhaus infiziert und dieses Krankenhaus musste vorüberge-
hend vollkommen vom Netz genommen werden.
Kröll: Wie wurden in Ihrem Verantwortungsbereich Mitarbeiter fachlich über
das Virus informiert? Haben sie Informationen darüber erhalten, wie
mit dieser speziellen Situation umzugehen ist? Wie groß war die Angst
der Mitarbeiter, durch die Behandlung und Betreuung infizierter Pati-
enten selbst infiziert zu werden? Gab es ablehnende Haltungen und
Einstellungen?
Köle: Grundsätzlich wurden die ärztlichen Mitarbeiter von der Zentral-
direktion sehr umfangreich über das Virus, den potenziellen Ver-
lauf der Erkrankung und die möglichen Auswirkungen infor-
miert. Ich bin überzeugt, dass der Umfang der Information beina-
he zu groß war, sodass es vielen Führungskräften wahrscheinlich
gar nicht möglich gewesen ist, alle Informationen zu verarbeiten.
Es wurden auch seitens des Direktoriums Mails an die Mitarbeiter
ausgesandt und als ärztlicher Direktor habe ich zweimal wöchent-
lich die bereichsleitenden Ärzte über den jeweiligen Stand der
Pandemie und ihrer Bewältigung informiert. Ebenso wurden die
Klinikvorstände und die Leiter der klinischen Abteilungen von
mir mehrmals informiert. Aber auch die Mitarbeiter der Pflege
und die dem Betriebsdirektor unterstellten Angestellten erhielten
täglich entsprechende Informationen über den aktuellen Stand
der Pandemie.
Kröll: Die Zeit des Shutdowns war ja auch die Zeit der Vortragstätigkeit eini-
ger Ihrer Mitarbeiter an den verschiedensten Orten dieser Erde. Wie
sind Sie damit umgegangen, dass Ihnen diese Mitarbeiter nicht zur
Verfügung standen? Wie sind diese Mitarbeiter aus dem Ausland wie-
der nach Hause gekommen? Waren sie zu Hause unter Quarantäne
oder waren sie für Sie sofort verfügbar und einsatzbereit?
Köle: Ärztliche Mitarbeiter, die zu Beginn der Krisensituation von einer
Vortragstätigkeit zurück an ihren Arbeitsplatz kamen, wurden
primär in häusliche Quarantäne geschickt und waren daher auch
in der Versorgung von Patienten nicht einsetzbar. Sie waren auch
verpflichtet, sich bei der Gesundheitsbehörde zu melden, bzw. sie
wurden vom Ministerium dahingehend registriert, dass sie aus
einem Gebiet kommen, in der die Infektion bereits ausgebrochen
war. Wenn aber in bestimmten Bereichen einige infizierte Mitar-
beiter ausfallen, insbesondere in sehr speziellen Bereichen, wie
z. B. der Kardiotechnik, dann ist die Aufrechterhaltung der Ver-
Christa Tax, Gebhard Falzberger, Wolfgang Köle – befragt von Wolfgang Kröll
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https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Buch Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise"
Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Titel
- Die Corona-Pandemie
- Untertitel
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Autoren
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Herausgeber
- Walter Schaupp
- Verlag
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Ort
- Baden-Baden
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Abmessungen
- 15.3 x 22.7 cm
- Seiten
- 448
- Schlagwörter
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Kategorien
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik