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sorgung der Patienten gefährdet. In diesen speziellen Fällen hat
die Behörde dann dahingehend Ausnahmeregelungen geschaffen,
dass diese Mitarbeiter nicht 14 Tage in häuslicher Quarantäne
bleiben mussten, sondern bereits früher, unter Einhaltung von
speziellen Hygienemaßnahmen, an ihren Arbeitsplatz zurückkeh-
ren konnten.
Kröll: Tausende Operationen und Behandlungen wurden in den letzten Mo-
naten nicht durchgeführt. Wartelisten waren schon vor Corona ein
Problem, das es abzuarbeiten galt, und, soweit ich noch informiert bin,
ist das ja auch ganz gut gelungen. Nun kommt es wieder zu einem
massiven Stau – wie gehen Sie damit um? Gibt es längere Betriebszei-
ten in den diversen OP-Einheiten?
Köle: Der Rückstau von Patienten, die sich aufgrund der Pandemie kei-
nen operativen Eingriffen bzw. keinen anderen medizinischen
Behandlungen unterziehen konnten, ist erheblich; wobei keine
Zahlen genannt werden können, weil man ja nur mit den Zahlen
des Vorjahrs mit entsprechender statistischer Unsicherheit ver-
gleichen kann. Grundsätzlich würde ich es auch befürworten, in
den OP-Einheiten längere Betriebszeiten einzuführen; dies ist je-
doch ein sehr personalintensives Vorhaben, d. h., man müsste
mehr Personal einstellen, aber soweit ich informiert bin, fehlen
dafür, zumindest zurzeit, die finanziellen Mittel. Aber selbst
dann, wenn die Finanzierung gelingen würde, ist es fraglich, ob
man in der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit ausreichend
qualifiziertes Personal finden würde, und dies betrifft ja nicht nur
den ärztlichen, sondern auch den pflegerischen Bereich. Man darf
aber auch nicht vergessen, dass aufgrund der noch immer gelten-
den Abstandsregelungen auch die ambulanten und tagesklini-
schen Bereiche betroffen sind und dass es – selbst wenn die Mög-
lichkeit bestehen sollte, längere Betriebszeiten wahrzunehmen –
kaum möglich sein dürfte, wesentlich mehr Patienten einer Ope-
ration zuzuführen als vor Ausbruch der Pandemie. Wenn man
aufholen möchte, müsste man die Betriebszeiten auf 100 Prozent
erhöhen, d. h., man müsste die Operationssäle 16 Stunden pro
Tag auslasten. Ich bin davon überzeugt, dass es hier noch entspre-
chende Vorstöße geben wird, aber diese müssten entweder von
der Zentraldirektion oder überhaupt von den politisch Verant-
wortlichen, d. h. von der Gesundheitslandesrätin bzw. dem Mi-
nisterium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumenten-
schutz, unternommen werden.
Der Umgang mit der Covid-19 Krise aus der Sicht der eines Universitätsklinikums
403
https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Buch Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise"
Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Titel
- Die Corona-Pandemie
- Untertitel
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Autoren
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Herausgeber
- Walter Schaupp
- Verlag
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Ort
- Baden-Baden
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Abmessungen
- 15.3 x 22.7 cm
- Seiten
- 448
- Schlagwörter
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Kategorien
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik