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den gekommen sind, waren sehr wertvoll und mussten auch in-
tern abgestimmt werden; da komme ich wieder auf die Kommu-
nikation in der Krise zurück – da ist die Medizin ein wenig zu
kurz gekommen. Es wurden sehr viele Vorgaben hinsichtlich der
Hygiene und von Infektiologen gemacht, aber es gibt auch ausrei-
chend Experten im LKH-Universitätsklinikum Graz, die man bei
der Lösung dieser Fragen mit hineinnehmen hätte sollen und
können.
Kröll: Wenn man jetzt zusammenfassend vom Worst-Case-Szenario ausgeht,
dass noch einmal eine solche Pandemie auftritt, bevor ein Impfstoff da-
gegen entwickelt worden ist: Ist alles innerhalb Ihres Verantwortungs-
bereiches gut gelaufen, gibt es irgendeinen Bereich oder eine Situation,
von der Sie sagen würden, hier haben wir noch Verbesserungspotential?
Oder andersherum: Standen Sie in Kontakt mit anderen Krankenan-
stalten, innerhalb oder auch außerhalb der Steiermark und Österreichs,
und haben Sie sich bezüglich des Vorgehens in der Krise ausgetauscht?
Falls das stattgefunden hat: Gab oder gibt es Ansätze, die Sie in Ihrem
Verantwortungsbereich übernehmen würden, bzw. haben jene Verant-
wortlichen, mit denen Sie Kontakt hatten, bekundet, Vorgehensweisen,
wie sie in unserem Krankenhaus durchgeführt wurden, zu übernehmen
bzw. zumindest auf ihre Verhältnisse zu adaptieren?
Köle: Ich bin überzeugt, dass man, falls es erneut zu einer derartigen Si-
tuation kommt, besser vorbereitet sein muss, zumindest inner-
halb des Klinikums, hinsichtlich der stationären Versorgung, aber
auch hinsichtlich der Behandlung von Patienten auf Intensivsta-
tionen. Wir benötigen aus meiner Sicht eine höhere Anzahl an
Betten auf Intermediate Care Units, die derzeit jedoch nicht verfüg-
bar sind; in diesen Fällen fehlt uns die Infrastruktur vollkommen.
Aus meiner Sicht kann man eine Pandemie nicht im Spital be-
kämpfen, eine Pandemie muss außerhalb eines Krankenhauses
bekämpft und besiegt werden. Ich sehe es auch kritisch, dass man
ganze Krankenhäuser als Infektionsspitäler vorsieht. Denn infi-
zierte Patienten könnten auch in Krankenanstalten einer niedri-
geren Stufe als in einem Zentralkrankenhaus, also in Standard-
krankenhäusern, behandelt werden.
Kröll: Vielen Dank an die Mitglieder des Direktoriums, dass Sie sich in dieser
schwierigen und herausfordernden Zeit, in der Sie selbst mit Arbeit
und Problemen zugeschüttet sind, dennoch die Zeit genommen haben,
eine Vielzahl von Fragen zu beantworten!
Christa Tax, Gebhard Falzberger, Wolfgang Köle – befragt von Wolfgang Kröll
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https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Buch Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise"
Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Titel
- Die Corona-Pandemie
- Untertitel
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Autoren
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Herausgeber
- Walter Schaupp
- Verlag
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Ort
- Baden-Baden
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Abmessungen
- 15.3 x 22.7 cm
- Seiten
- 448
- Schlagwörter
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Kategorien
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik