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Jörg Hohensinner: Eine Empfehlung, die ich heute aus meiner Per-
spektive während COVID-19 abgeben möchte, ist,
dass die Gesellschaft aus dieser Krise lernen sollte,
wie wertvoll Leben ist und wie wichtig es ist, die-
ses zu schützen. Das Leben ist einzigartig und un-
wiederbringlich. Wir haben nur dieses eine – hier
müsste erkannt werden, dass dieses wohl wesent-
lich wichtiger ist als alles Geld dieser Welt.
Gerald Pichler: Wir haben in der Zeit des Besuchsverbotes gelernt,
dass es dennoch möglich ist, einen guten Kontakt
zwischen Patienten und Angehörigen herzustel-
len. Dies wurde einerseits durch intensiven Tele-
fonkontakt und andererseits durch die Möglich-
keit, mittels Skype zu kommunizieren, erreicht.
Wir haben dabei die Erfahrung gemacht, dass
auch diese eher unpersönlichen Kontaktmöglich-
keiten zur Beruhigung der Patienten beigetragen
haben. Dadurch konnten auch Ängste der Ange-
hörigen zerstreut werden.
Wolfgang Kröll: Personal ist immer eine knappe Ressource. Im Gegen-
satz zu einem Krankenhaus der Primärversorgung
konntet ihr keinen Shutdown in der Versorgung vor-
nehmen. Haben sich Mitarbeiter von euch mit Corona
infiziert? Und wie konntet ihr einen etwaigen Ausfall
von kranken Mitarbeitern über einen längeren Zeit-
raum kompensieren, ohne dass es zu einer nicht-ad-
äquaten Versorgung und Betreuung eurer Patienten
kam?
Walter Schippinger: Unsere Strategie zur Erhaltung der Personalstände
während der Krise war ein ganz scharfer Präventi-
onskurs. Wir wollten auch durch Eigenmaßnah-
men potenziell Infizierte – auch unter den Mitar-
beitern – so früh als möglich erkennen, damit sie
mit anderen Kollegen, aber auch mit Patienten
nicht in Kontakt kommen können. Wir haben da-
zu gleich am Beginn der Krise ein Gesundheits-
Selbstassessment eingeführt. Alle Mitarbeiter
mussten, bevor sie in den Dienst kamen, zuhause
ihre Körpertemperatur messen und eine Checklis-
te, die Symptome einer möglichen COVID-19-
Der Umgang mit COVID-19 in einer Sonderkrankenanstalt
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https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Buch Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise"
Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Titel
- Die Corona-Pandemie
- Untertitel
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Autoren
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Herausgeber
- Walter Schaupp
- Verlag
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Ort
- Baden-Baden
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Abmessungen
- 15.3 x 22.7 cm
- Seiten
- 448
- Schlagwörter
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Kategorien
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik