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keiten aufgebaut, und alle BesucherInnen wurden von uns
registriert. Und am 12. März wurde das Pflegeheim dann
für Besuche geschlossen. Bei mir zu Hause musste ich erst
einmal meine Familie von den zu setzenden hygienischen
Schutzmaßnahmen überzeugen. Das war nicht einfach –
vor allem wenn es darum ging, die persönlichen Kontakte
im Freundeskreis einzuschränken. Da kam es dann auch zu
der einen oder anderen Meinungsverschiedenheit.
Platzer: Von wem sind denn die ersten Anweisungen gekommen?
Pichler: Also die ersten Informationen bekamen wir über die Medi-
en. In weiterer Folge erfolgte dann ein Austausch mit ande-
ren Pflegeheimen bzw. KollegInnen. Die ersten offiziellen
Informationen sind dann erst um den 11. März vom Land
Steiermark gekommen. Das war aber dann bereits die Auf-
forderung, die Pflegewohnhäuser quasi zu schließen und al-
le persönlichen Kontakte möglichst einzuschränken. Dann
sind auch innerhalb der Caritas zweimal wöchentlich virtu-
elle Konferenzen eingerichtet worden, in denen sich die
Haus- und PflegedienstleiterInnen austauschen konnten.
Platzer: Wie geht man in so einer Situation persönlich mit der Angst vor
dem Virus um?
Pichler: Ich hatte nicht viel Zeit, mich zu ängstigen, da ich ständig
mit Organisationsarbeiten und Sonstigem beschäftigt war.
Ganz schwierig war es für mich auf jeden Fall, die Kontakte
mit meiner Familie einzuschränken. Die Verhängung des
allgemeinen Lockdowns war dann irgendwie sogar hilf-
reich. Zuvor konnte ich meinem Umfeld nämlich nur
schwer erklären, warum ich ihnen gegenüber derartig auf
Distanz gehe bzw. gehen muss.
Derler: Einmal besser, einmal schlechter. Am meisten hat mir in
dieser Zeit, wie bereits erwähnt, der Austausch mit den ei-
genen KollegInnen geholfen; aber auch Kontakte mit Kolle-
gInnen aus anderen Pflegeheimen waren äußerst hilfreich.
Ich habe dann auch gleich gemerkt, dass mir Gespräche mit
Außenstehenden, d.
h. mit Menschen, die keinen Einblick
in den Alltag eines Pflegeheimes haben, wenig bringen,
weil sich einfach niemand in meine Lage hineinversetzen
konnte.
Barbara Derler und Brigitte Pichler – befragt von Johann Platzer
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https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Buch Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise"
Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Titel
- Die Corona-Pandemie
- Untertitel
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Autoren
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Herausgeber
- Walter Schaupp
- Verlag
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Ort
- Baden-Baden
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Abmessungen
- 15.3 x 22.7 cm
- Seiten
- 448
- Schlagwörter
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Kategorien
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik