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habe ich als äußerst negativ in Erinnerung. Wir haben, wie
bereits erwähnt, die Verlegung ins Krankenhaus dann aber
trotzdem veranlasst. Heute geht es dieser Patientin auf-
grund der Spezialbehandlung im Krankenhaus wieder gut.
Platzer: Wie war im Allgemeinen die Zusammenarbeit mit den Hausärz-
tinnen und Hausärzten?
Pichler: Zunächst muss erwähnt werden, dass wir mehrere Hausärz-
tinnen und Hausärzte haben. Diese mussten sich – wie alle
anderen auch – natürlich auch erst Informationen verschaf-
fen und orientieren, wobei die Verunsicherung ĂĽberall
deutlich zu spüren war. Die Zusammenarbeit war also –
vorsichtig ausgedrückt – sehr unterschiedlich. Eine Haus-
ärztin war sehr bemüht um uns und hat uns auch wohlwol-
lend unterstützt. Von anderen Ärzten fühlten wir uns aber
im Stich gelassen. Dabei möchte ich eines unbedingt erwäh-
nen: Meines Erachtens sind viele BewohnerInnen einfach
schlechter behandelt worden, weil die Hausärzte viel selte-
ner ins Haus gekommen sind. Sie haben eine Zeit lang ein-
fach keine Visiten mehr gemacht. Bei einigen PatientInnen
wäre meines Erachtens eine Verlegung ins Krankenhaus zur
Abklärung von Symptomen, die nichts mit Covid-19 zu tun
hatten, unbedingt notwendig gewesen. Das ist aber ausge-
blieben. Das hat ganz bestimmt fĂĽr einige BewohnerInnen
negative Konsequenzen gehabt. Mehr möchte ich dazu
nicht sagen, sonst rege ich mich zu sehr auf. Diese Frage
möchte ich jetzt an die Pflegedienstleiterin weitergeben,
weil das ja eigentlich ihr Bereich ist.
Derler: Da kann ich mich leider nur anschlieĂźen. Ich habe die Zu-
sammenarbeit als sehr schwierig empfunden! Die Hausärzte
haben auch immer wieder versucht, Testungen hinauszu-
schieben bzw. zu verhindern. Als wir einen sogenannten
Verdachtsfall hatten und die betroffene Person in einem
sehr schlechten Zustand war, hat sich ein Hausarzt gewei-
gert, eine Testung zu veranlassen. Ich habe dann selbst die
Amtsärztin verständigt und durch sie eine Testung in die
Wege geleitet. Als dann in weiterer Folge das bereits er-
wähnte „Screening“, also eine Testung aller BewohnerInnen
durchgefĂĽhrt werden sollte, wollte dies wiederum ein ande-
rer Hausarzt verhindern. Die Hausärzte hatten einfach eine
groĂźe Unsicherheit und wollten immer nur zuwarten. Zu-
Barbara Derler und Brigitte Pichler – befragt von Johann Platzer
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https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Buch Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise"
Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Titel
- Die Corona-Pandemie
- Untertitel
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Autoren
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Herausgeber
- Walter Schaupp
- Verlag
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Ort
- Baden-Baden
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Abmessungen
- 15.3 x 22.7 cm
- Seiten
- 448
- Schlagwörter
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, MenschenwĂĽrde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Kategorien
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik