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nächst sind einige sogar ohne Schutzkleidung zur Visite ge-
kommen, und wir mussten sie dann erst dementsprechend
ausstatten. Mit der Zeit sind sie dann, wie bereits erwähnt,
kaum mehr ins Haus gekommen.
Platzer: Wie konnten die BewohnerInnen dann medizinisch versorgt wer-
den?
Derler: Vieles ist dann nur mehr telefonisch abgewickelt worden.
Wir mussten auch Fotos von sichtbaren Symptomen ma-
chen und die Bilder dann zu den Ärzten schicken. Ich hatte
einfach den Eindruck, dass sie große Angst hatten, auch
selbst angesteckt zu werden und dann ihre Ordination
schließen zu müssen. Ein Arzt war auch eine Zeit lang in
Quarantäne, weil er mit einer positiv getesteten Person im
Rahmen eines Einsatzes Kontakt hatte.
Platzer: Und wie hat die Zusammenarbeit mit der Sanitätsbehörde funk-
tioniert?
Pichler: Die Kooperation mit der Sanitätsbehörde und der Bezirks-
hauptmannschaft hat bestens funktioniert. Da haben wir
sehr viel fachliche Beratung hinsichtlich zu setzender Maß-
nahmen bekommen. Sie waren auch immer für uns erreich-
bar, sowohl in der Nacht als auch an den Wochenenden.
Diese Unterstützung war hervorragend!
Derler: Das kann ich nur bestätigen. Sie haben uns auch immer
wieder in unserem Handeln bestärkt und unterstützt. Wir
hatten einfach das Gefühl, die Amtsärzte stehen immer hin-
ter uns. Sie haben sich nicht nur für Testungen ausgespro-
chen, sondern auch dafür, dass die zuvor angesprochene Pa-
tientin ins Krankenhaus gekommen ist. Die AmtsärztInnen
hatten für mich auch eine psychologische Funktion.
Platzer: Wie war die Kooperation mit den Krankenhäusern?
Pichler: Das war oft schwierig, weil diese zu dieser Zeit natürlich
strenge Aufnahmebedingungen hatten. Da hatten wir z. B.
schon vor der ersten positiv getesteten Patientin einen Be-
wohner mit Lungenentzündung. Diesen hätten wir gerne
testen lassen, und wir wollten ihn auch ins Krankenhaus
zur Untersuchung und Behandlung bringen. Das hat das
Krankenhaus jedoch abgelehnt.
Corona im Pflegeheim. Ein Erfahrungsbericht aus der Praxis
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https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Buch Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise"
Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Titel
- Die Corona-Pandemie
- Untertitel
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Autoren
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Herausgeber
- Walter Schaupp
- Verlag
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Ort
- Baden-Baden
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Abmessungen
- 15.3 x 22.7 cm
- Seiten
- 448
- Schlagwörter
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Kategorien
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik