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bei vielen negativ ausgewirkt – sowohl körperlich als auch
psychisch.
Platzer: Ist es dadurch auch zu vermehrten aggressiven Verhaltensformen
gekommen?
Derler: Nein, eigentlich nicht. Einige BewohnerInnen haben mit
Rückzug reagiert.
Platzer: Pflegerisches Handeln vollzieht sich „am Leib ebenso wie mit
dem Leib“. Wie kann man sich das durch den plötzlich geänder-
ten Arbeitsalltag (Tragen von Schutzkleidung und Masken, Ein-
schränkungen persönlicher Kontakte etc.) eigentlich vorstellen,
vor allem wenn tagtäglich das Voneinander-Abstand-Halten ge-
fordert wird?
Derler: Bei der Pflege gibt es kein Abstandhalten – Pflege kann nur
mit Körperkontakt und „Zuwendung“ passieren! Die einzi-
gen „Barrieren“ sind unsere Schutzmasken, Handschuhe
und Einwegschürzen. Die Pflegeperson kann sich auch da-
durch schützen, dass sie versucht, nicht angehustet oder an-
gespuckt zu werden – was allerdings nicht immer möglich
ist.
Platzer: Welche Angebote konnten den BewohnerInnen weiterhin ge-
macht werden? Auf was musste verzichtet werden?
Derler: Wir versuchten den Tagesablauf zunächst so gut es ging auf-
rechtzuerhalten. Allerdings mussten wir natürlich die Akti-
vierungen der BewohnerInnen sowie die Gruppen- und
Unterhaltungsprogramme einschränken. Wir versuchten
dann, den Schwerpunkt auf Einzelaktivierungen zu legen.
Viele durften dann ja ihr Zimmer oder ihren Wohnbereich
gar nicht mehr verlassen. Somit war das gemeinsame Essen
im Speisesaal oder im Bereich des Wintergartens auch nicht
mehr möglich. Der sonstige Tagesablauf, wie regelmäßige
Pflege und Mahlzeiten, blieb natürlich gleich.
Platzer: War es zu dieser Zeit eigentlich möglich, dass BewohnerInnen,
die an einer schweren Krankheit litten, von ihren Angehörigen
besucht werden konnten?
Derler: Ja! Wir haben immer allen Angehörigen von BewohnerIn-
nen, die palliativ betreut wurden oder sterbend waren, den
Zutritt ins Pflegeheim ermöglicht – natürlich unter Beach-
tung der notwendigen Schutzmaßnahmen.
Corona im Pflegeheim. Ein Erfahrungsbericht aus der Praxis
433
https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Buch Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise"
Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Titel
- Die Corona-Pandemie
- Untertitel
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Autoren
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Herausgeber
- Walter Schaupp
- Verlag
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Ort
- Baden-Baden
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Abmessungen
- 15.3 x 22.7 cm
- Seiten
- 448
- Schlagwörter
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Kategorien
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik