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Das Schwarze Wien - Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
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Das Rote Wien | 29 leiteten, ehrenamtlichen Stadträten und zwei Vizebürgermeistern. Der Gemeinderat hatte die Aufgabe, den Bürgermeister, seine Stellvertreter und die Stadträte zu wählen. Außer- dem bildete er Ausschüsse für die verschiedenen Verwaltungsgruppen. Für die Durchfüh- rung der Gemeinderatsbeschlüsse wurden in den einzelnen Stadtbezirken Bezirksvertre- tungen gebildet, die in den Bezirken selbst gewählt wurden. Die MandatsträgerInnen konnten innerhalb einer fünfjährigen Periode arbeiten, in der es keine direkte Mitwirkung der WählerInnen gab.70 Durch die Beseitigung des undemokratischen Kurienwahlrechtes und die Einführung des allgemeinen Wahlrechts konnte die Arbeiterschaft erstmals als Faktor im politischen System in Erscheinung treten. Vor allem die Frage des gestiegenen Wohnungsbedarfs, die durch den Ausschluss der politischen Teilnahme der Arbeiterschaft in der Monarchie nicht behandelt werden musste, wirkte sich nachteilig für die bürgerlichen Parteien aus.71 Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei konnte innerhalb des demokratischen Systems des- halb weitgehend aus ihrem Wohnbauprogramm und den sozialpolitischen Maßnahmen ihre politische Legitimation ziehen, die allesamt als austromarxistische Errungenschaften Wiens anerkannt wurden. Somit hatte das Wiener Wohnbauprogramm auch eine weit- reichende Bedeutung für die Durchsetzung einer neuen Wohnkultur und damit auch direkte Auswirkung auf die politische Praxis der Sozialdemokratie in Wien. Die enge Verknüpfung von Politik und Alltag in den Hofbauten leisteten ein Übriges. Beispielsweise wurden Parteilokale in den Gemeindebauten gegründet, damit die sozial- demokratischen BewohnerInnen den Parteisitzungen in Gasthäusern entkommen und durch die örtliche Nähe zur eigenen Wohnung direkter am politischen Leben teilnehmen konnten. Auch die Eröffnungsfeiern der Höfe wurden durch Aufmärsche der Parteiorga- nisationen zur Tribüne der Sozialdemokratie. Am traditionellen Tag der Arbeit, dem 1. Mai, schmückten die BewohnerInnen ihre Gemeindebauten mit einem roten Fahnenmeer. Die kommunalen Bauten konnten sich so zu Hochburgen der Sozialdemokratie entwickeln.72 Die als rote Höfe im Stadtgebiet leicht an ihrer expressionistischen Ausgestaltung erkenn- baren Gemeindebauten wirkten sich positiv auf die Wahrnehmung der eigenen politischen Stellung der Arbeiterschaft aus. Die Hofbauten wurden damit durch ihren symbolischen, räumlichen Ausdruck zu Ideologieträgern für die sozialdemokratische Wohnungspolitik. Unterstützt wurde dies durch die Benennungen der Höfe mit Namen bekannter Sozialis- ten.73 Die Sozialdemokratie setzte mit ihrer neuartigen Baupolitik durchwegs auf eine archi- tektonische Manifestation der urbanen, sozialdemokratischen Kultur Wiens in einem auf bürgerlich-bäuerlichen Traditionen fußenden Staat.74 70 Frei, Graswurzel, 1991, S. 81 f. 71 Kaiser, Wohnungswesen, 2011, Diplomarbeit, S. 22. 72 Frei, Graswurzel, 1991, S. 201–207. 73 Ebd., S. 196, 230 f. 74 Hoffmann, Hack’ und Spaten, 1987, S. 66.
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Das Schwarze Wien Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
Titel
Das Schwarze Wien
Untertitel
Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
Autor
Andreas Suttner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien - Köln - Weimar
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20292-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
296
Kategorien
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