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Das Schwarze Wien - Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
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Das Rote Wien | 41 Nicht nur die Verschärfung der politischen Konflikte zwischen den Akteuren auf Bun- desebene wirkte sich ab 1930 direkt auf die Politik der sozialdemokratischen Kommunal- politik aus, sondern auch das Wegfallen der ökonomischen Rahmenbedingungen mit dem Eintreten der Weltwirtschaftskrise 1929. Die finanzielle Dauerkrise der Bundesregierung hatte zusehends Einfluss auf die Verteilung der Gelder an die Länder.137 Damit geriet das Reformprojekt des Roten Wien gerade durch seine Abhängigkeit vom internationalen Wirtschaftssystem unter Druck. Das Wohnbauprogramm, das 1923 mit einem Gemeindratsbeschluss zum Bau von 25.000 Wohnungen in fünf Jahren begonnen hatte, brach schließlich unter andauernden, genau kalkulierten politischen Attacken der konservativen Bundesregierung zusammen. Ein symbolischer Schlusspunkt wurde im kurzen Bürgerkrieg des Februar 1934 von den Protagonisten des Dollfuß-/Schuschnigg-Regimes durch den Beschuss der Gemeinde- bauten mit Kanonen und deren Erstürmung durch das Bundesheer gesetzt.138 1.2.5.2 Wohnbauförderung als Gegenstrategie Die Errichtung von bürgerlich durchstrukturierten Kleinwohnungen durch private Bau- firmen wurde schon Ende der 1920er Jahre vom Nationalratsabgeordneten Felix Pistor139 im Kampf gegen die kommunale Bautätigkeit und das sozialdemokratische Mietengesetz140 ins Feld geführt.141 Erst durch die Reform des Mieterschutzgesetzes brachte 1929 das Bun- desgesetz zur Förderung der Wohnbautätigkeit142 der konservativen Bundesregierung als erster Versuch zur Reaktivierung der privaten Wohnbautätigkeit nach dem Ersten Weltkrieg kurzfristig wieder neuen Wind in die Idee der Förderung des privaten Bauens.143 Wichtigstes Projekt innerhalb der Wohnbauförderung war das Wohnhochhaus in der I., Herrengasse 6–8 dessen Errichtung direkt und unbürokratisch an Siegfried Theiss144 137 Bauböck, Wohnungspolitik, 1979, S. 138 f. 138 Hautmann, Hautmann, Gemeindebauten, 1980, S. 135–137. 139 Präsident des Reichsbundes der Haus- und Grundbesitzer Österreichs, der ab Anfang 1927 für den Landbund (LB) im Nationalrat saß. Seine Nationalratslaufbahn ist durchsetzt mit Lobbying-Arbeit: Anträge gegen den Mieterschutz der SozialdemokratInnen und den Kampf gegen öffentliche Förderung für kommunale Bautätigkeit. Er befürwortete die Förderung des privaten Bauens. Erst mit der Aussetzung des Parlamentes 1933 konnte er durch Gespräche mit konservativen Kräften wie dem Bundesminister für Justiz, Kurt Schuschnigg, dem Abgeordneten Kunschak und seiner eigenen Partei, dem Landbund, ein Bündnis gegen die kommunale Bautätigkeit der sozialdemokratischen Gemeinde bilden um diese endgültig zu Fall zu bringen. 140 Nach der Auflösung des Parlamentes 1933 wurde zwar die kommunale Bautätigkeit vollständig abgeschafft, das Mie- tengesetz blieb jedoch weitgehend unangetastet. 141 Aufwärts durch Pistor – Zehn Jahre Kampf für Eigentum und Recht – Festschrift zum Bundestag in Bregenz anläßlich der zehnjährigen Führung der Organisation durch Felix Pistor, Wien – Gösting-Graz, 1933, S. 11 f., 28–30, 32. 142 Bundesgesetz zur Förderung der Wohnbautätigkeit vom 14. Juni 1929. Für den Fonds wurden Darlehen in einer Höhe von 50 % bis 60 % mit einer einprozentigen Verzinsung bereitgestellt, vgl.: Hans Türr, Die Wohnungsprobleme Öster- reichs vor und nach dem Krieg, Berlin, 1933, S. 181 f. 143 Willhelm Bonczak, Ein Leben im Dienste der gemeinnützigen Wohnungsfürsorge, Wien, 1947, S. 193. 144 Theiss war schon seit 1912 mit der ausführenden Baufirma H. Rella & Neffe Bau AG vernetzt, die, trotz teuerstem An-
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Das Schwarze Wien Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
Titel
Das Schwarze Wien
Untertitel
Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
Autor
Andreas Suttner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien - Köln - Weimar
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20292-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
296
Kategorien
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