Seite - 44 - in Das Schwarze Wien - Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
Bild der Seite - 44 -
Text der Seite - 44 -
44 | Wien im Ständestaat
2 WIEN IM STÄNDESTAAT
2 1 Der Städtebau im schwarzen Wien
Die ständestaatliche Verwaltung adaptierte für die Neuorientierung Wiens internationale
städtebauliche Fachdiskurse der Stadtsanierung, der Autostadt, des Ausbaus repräsenta-
tiver Verwaltungszentren und des öffentlichen Verkehrs der 1930er Jahre.
Das kommunale Wohnbauprogramm des Roten Wien sollte aufgegeben werden und
dem Verkehrsbau weichen. Dazu musste eine stadtplanerische Lösung für eine verkehrs-
gerechte Stadt durch Neuordnungs- und Assanierungsstrategien gefunden werden. Inner-
halb dieser Strategieänderung war Wien zur Metropole des Fremdenverkehrs durch
historisierende Verklärung des kaiserlichen Wiens bestimmt.1
Ein städteplanerisches Gesamtkonzept konnte aufgrund der Weltwirtschaftskrise nicht
verwirklicht werden und blieb weitgehend im Planungsstadium stecken. Deswegen kamen
mit einem staatlich geförderten, genossenschaftlichen Siedlungsprogramm und einem von
der Stadt Wien unterstützten, privatwirtschaftlichen Geschosswohnungsbau nur punktu-
elle Eingriffe in die Ausgestaltung der historischen Stadtstruktur zum Tragen.
Die Hofverbauung des Roten Wien wurde durch die Wiener Bauordnung weitergehend
beibehalten. Mit der ideologischen Neuausrichtung wurde jedoch eine fundamentale
Änderung der Finanzierungsgrundlagen und der sozialen Ausrichtung vollzogen.
2 1 1 Rahmenbedingungen des ständestaatlichen Städtebaus
Die Neuorientierung der einzigen Großstadt Österreichs und damit die fundamentale
Revidierung der Errungenschaften des Roten Wien stellten den autoritären Ständestaat vor
unerwartete Probleme. Laut Wolfgang Maderthaner „galt es, eine soziale und kulturelle
Gegenreformation im großen Stil zu verwirklichen“.2 Der ehemals christlichsoziale Poli-
tiker und nunmehriger Bürgermeister Richard Schmitz3 sollte dieses weitreichende Reform-
1 Kassal-Mikula, Purtscher, Haiko, Tabor, Das ungebaute Wien, 1999, S. 319.
2 Maderthaner, 1860 bis 1945, in: Csendes, Opll (Hg.), Wien, Bd. 3: 1790 bis zur Gegenwart, 2006, S. 474.
3 Der studierte Rechtswissenschafter Richard Schmitz begann nach seiner Tätigkeit als Journalist im Jahr 1918 seine
politische Karriere im Wiener Gemeinderat. Von 1920 bis 1934 war er Abgeordneter im Nationalrat.
Open Access © 2017 by Böhlau Verlag Ges.m.b.H. & Co. KG, Wien Köln Weimar
Das Schwarze Wien
Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
- Titel
- Das Schwarze Wien
- Untertitel
- Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
- Autor
- Andreas Suttner
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien - Köln - Weimar
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20292-9
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 296
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918