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Der Städtebau im schwarzen Wien | 49
der Stadtplanung im Ständestaat.26 Diese Umstrukturierung wurde für die neuen Aufgaben
bewerkstelligt, die Bürgermeister Schmitz dem Stadtbauamt zugedacht hatte.
2.1.1.2 Beseitigung der Finanzierungsstrategien des Roten Wien
Am 17. Mai 1934 wurde in der ersten Sitzung der gesäuberten Stadtvertretung ein Sofort-
programm von öS 60 Mio., mit einer Beteiligung des Bundes von öS 10 Mio., vorgestellt.
Dieses beinhaltete neben dem Bau infrastruktureller Einrichtungen wie dem Bau von
Brücken, Hochquellwasserleitungsbehälter und dem Ausbau von Schulen auch den Umbau
von verkehrsbehindernden Wohnhäusern durch sogenannte Assanierungsbauten. Zusätzlich
war die Instandsetzung von Althäusern mit öS 5.5 Mio., die Förderung des Baus von
sogenannten Familienasylen mit öS 2 Mio. und die neuzeitliche Ausgestaltung von Stra-
ßenzügen mit öS 17 Mio. inkludiert.27 Die Maßnahmen zielten nicht nur auf die Ankur-
belung der Wirtschaft ab, sondern auch auf die Senkung der Arbeitslosenzahlen durch die
Schaffung neuer Beschäftigungsmöglichkeiten.28
Um das Bauprogramm durch die private Bauwirtschaft zu ermöglichen, wurde die
sozialdemokratische Wohnbausteuer innerhalb der Steuerordnung im Juni 1934 in eine
Mietsaufwandssteuer umgewandelt. So konnten mit der Abschaffung von Luxussteuern
wie der Hauspersonalsteuer, der Genussmittelsteuer, der Lustbarkeitssteuer und der
vexatorischen Pferdeabgabe auch die Kritikpunkte am Roten Wien beseitigt werden.29 Kom-
pensiert wurde ihr Ausfall durch die Anhebung der Mietzinse der Gemeindebauten um
durchschnittlich 70 %,30 und die Einhebung von Abgaben breiter Kreise der Bevölkerung,
beispielsweise auf Trinkwasser und die Müllabfuhr.31 Somit wirkte sich die steuerliche
Umverteilung auf Kosten der ärmeren Bevölkerungsschichten aus.32
Die Einführung der Massensteuern war nötig geworden, um das Bürgertum durch
weitgehende Steuerbefreiungen als soziale Basis für den Aufbau des schwarzen Wien zu
gewinnen und gleichzeitig die entgangenen Steuereinnahmen zu kompensieren. Trotzdem
konnte wegen der Sanierung des Bundesbudgets und der andauernden Weltwirtschaftskrise
kein ausgeglichenes Budget im ständestaatlichen Wien erreicht werden.33
2.1.1.3 Umwertung der Gemeindebauten im bürgerlichen Lager
Bereits Anfang der 1930er Jahre unterlagen die sozialdemokratischen Gemeindebauten
einer politischen Umwertung durch die autoritär agierende Bundesregierung. Diese für
26 Weihsmann, In Wien erbaut, 2005, S. 262.
27 Magistrat der Stadt Wien (Hg.), Drei Jahre neues Wien, 1937, S. 19 f.
28 Trinkaus, Wohnbaupolitik, 2013, Diplomarbeit, S. 28.
29 Magistrat der Stadt Wien (Hg.), Drei Jahre neues Wien, 1937, S. 23.
30 Maderthaner, 1860 bis 1945, in: Csendes, Opll (Hg.), Wien, Bd. 3: 1790 bis zur Gegenwart, 2006, S. 479.
31 Feller, Baupolitik, 1991, Diplomarbeit, S. 20 f.
32 Baltzarek, Bundeshauptstadt, in: Verein für Geschichte der Stadt Wien (Hg.), Wiener Geschichtsblätter, 29. Jg., Wien,
1974, Sonderheft 2, S. 72.
33 Maderthaner, 1860 bis 1945, in: Csendes, Opll (Hg.), Wien, Bd. 3: 1790 bis zur Gegenwart, 2006, S. 478 f.
Das Schwarze Wien
Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
- Titel
- Das Schwarze Wien
- Untertitel
- Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
- Autor
- Andreas Suttner
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien - Köln - Weimar
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20292-9
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 296
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918