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Das Schwarze Wien - Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
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Der Städtebau im schwarzen Wien | 57 Durch Entkernung von Hinterhöfen, der Schaffung von Verkehrsflächen mittels Durch- brüchen und der Sanierung von Elendsvierteln in den inneren Bezirken Wiens wurde die Assanierung der Altstadt als wichtiger Beitrag zur Hebung der Lebensqualität seiner BewohnerInnen hervorgehoben. Neugeschaffene Freiräume sollten in der Wiener Innen- stadt monumentale Bauwerke ermöglichen.78 Als Grundlage für die Umsetzung seiner städtebaulichen Konzepte dienten Erwin Ilz’ Pläne zur Erweiterung des Wiener Stadtgebietes der beginnenden 1920er Jahre, die ab 1937 durch direkte Anweisung Bürgermeister Schmitz’79 vom Wiener Stadtbauamt wieder aufgegriffen wurden. An der Diskussion beteiligten sich im März mit Erwin Ilz und im Dezember mit Siegfried Theiss wieder prominente Vertreter zweier unterschiedlicher Auffassungen. Ilz forderte die Aufgabe der ringförmigen Stadterweiterung Wiens und die Ausdehnung in den Süden Richtung Wiener Neustadt. Das zusammenhängende Stadt- gebiet sollte einheitlich organisiert werden, wobei aber konform der Ideen des Sozialde- mokraten Max Emers aus den 1920ern die Grenzen des Wirtschaftsraumes der Stadt zu beachten wären. Die Ausdehnung sollte mit der vollständigen Modernisierung öffentlicher Massenverkehrsmittel einhergehen.80 Theiss hingegen wollte die Erweiterung des Stadt- gebietes mit neuen Bezirken, also Eingemeindungen im Raum des Marchfeldes, wie es 1920 teilweise die Christlichsoziale Partei vertreten hatte.81 Die von Theiss dazu ausgear- beiteten Pläne dienten aber erst der NS-Verwaltung zur Schaffung des Gaues Groß-Wien82 durch Eingemeindung umliegender Städte und Landstriche. Diese neugeschaffenen Gren- zen wurden erst in der Zweiten Republik im Jahr 1954 auf das ca. eineinhalbfache der Fläche von 1937 zurückgenommen.83 2.1.2.2 Planungsentwürfe für die Verkehrsstadt und ihre Bedeutung Die forcierte Umgestaltung der Stadt Wien, bei gleichzeitigem Festhalten an ihren Traditionen, lehnte sich an die von Bodenschatz beschriebenen europäischen, diktato- rischen Städtebaustrategien an.84 Vor allem das faschistische Italien strahlte nach Öster- reich aus. Dort sollte der Großstadt ein prägnanter Ausdruck zu Zwecken der Reprä- 78 Ilz, Gegenwartsaufgaben des Städtebaues, mit besonderer Berücksichtigung Österreichs, Deutschlands und Italiens, in: Zeitschrift des Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereines, Nr. 90, Heft 1/2, Wien, 1938, S. 17–21. 79 Schmitz war schon 1920 als Wiener Gemeinderat für die Erweiterung der Stadt Wien unter wirtschaftlichen Vorausset- zungen. Diese wurde aber 1920 vom Bauernbund in Linz vereitelt. Als Bürgermeister von Wien konnte er 1937 einen erneuten Anlauf zu ihrer Durchführung versuchen, vgl.: Wilfried Posch, Lebensraum Wien – Die Beziehungen zwischen Politik und Stadtplanung (1918–1954), Graz, 1976, Dissertation, S. 59–61. 80 Ebd., S. 156 f. 81 Wilfried Posch, Die Wiener Gartenstadtbewegung – Reformversuch zwischen erster und zweiter Gründerzeit, Wien, 1981, S. 98 f. 82 Von der Fläche etwa dreimal so groß wie das heutige Wien. 83 Sandor Bekesi, Shrinking city, in: Wolfgang Kos (Hg.), Kampf um die Stadt, Ausstellungskatalog Wien Museum, Wien, 2010, S. 100 f. 84 Bodenschatz, Diktatur, in: Czech, Doll (Hg.), Propaganda, Ausstellungskatalog, 2007, S. 48.
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Das Schwarze Wien Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
Titel
Das Schwarze Wien
Untertitel
Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
Autor
Andreas Suttner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien - Köln - Weimar
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20292-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
296
Kategorien
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