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Der Städtebau im schwarzen Wien | 67
Anlage der Bahnsteige, der Führung von Nah- und Fernverkehr, den Zubringerwegen der
Reisenden und des Gepäcks sowie der Architektur und der Anlage des Grundrisses.137
Zentrales Anliegen war eine gute internationale und innerstädtische Anbindung der
Reisenden zum Bahnhof. Nah- und Fernverkehr sollten unter einem Dach abgewickelt
werden können, wobei zur Steigerung der Effektivität besonders auf die Trennung der
Verkehrswege einfahrender und abfahrender Verkehrsmittel Bedacht genommen wurde.
Der Anschluss durch eine Untergrundbahn sollte zur Entlastung vor dem zunehmenden
Autoverkehr dienen.138
Aufgrund dieses durchdachten Verkehrskonzeptes war es Aigner möglich sein Zent-
ralbahnhofkonzept außerhalb der Innenstadt auf bahneigenem Grund beim Wiener Arse-
nal am Wiedner Gürtel139 zu situieren.140
Die Front des sechsstöckigen, monumentalen Bahnhofsgebäudes, das sich stilistisch an
den Bahnhof in Florenz anlehnte,141 sollte parallel zum Wiedner Gürtel liegen. Darin
waren eine runde Zentralhalle,142 ein Verwaltungsgebäude, ein Empfangsgebäude, ein
Bahnhofshotel, eine Postanlage samt Dienstwohnungen, eine Postbahnsteiganlage, eine
Fernbahnsteighalle, Wohnbauten und Schulungsräume für Bahnbedienstete angedacht.143
Nach den internationalen Beispielen von Florenz und Moskau sollte auch ein Hof- und
Regierungswartesalon mit eigenem Eingang zur Ausführung kommen.144
Die Bahnsteige wurden in Richtung der bereits bestehenden Verbindungsbahn unter
einem Winkel von 38º 9’ gegen den Wiedner Gürtel gerichtet angedacht.145 Der heutige
Hauptbahnhof in Wien liegt in etwa in derselben Position.
Der eigens geschaffene Bahnhofsplatz war dafür vorgesehen, die 109.774 m² von Hoch-
bauten bedeckte Fläche räumlich vom Gürtel trennen.146 Teilweise von den Gebäuden
umgeben sollte er durch die architektonische Ausgestaltung mittels gleichartiger Materi-
alien in die Gesamtanlage eingebunden werden. Durch eine Rednertribüne sollte der Platz
als Versammlungsort und Aufmarschplatz dienen und war damit von Aigner als zweck-
mäßige städtebauliche Lösung konzipiert.147
137 Ebd., S. 15–24.
138 Ebd., S. 52–56.
139 Fläche ca. 336.000 m² – Wiedner Gürtel, Sonnwendgasse, Schuppenfront und Arsenalstraße.
140 Aigner, Anlage, 1937, Dissertation, S. 56.
141 Ebd., Gesamtschaubild des Bahnhofes im Anhang ohne Seitenbezeichnung.
142 Nur die Schalterhalle sollte sich mit 27 m Firsthöhe von den 22,40 m hohen Teilen abheben.
143 Aigner, Anlage, 1937, Dissertation, S. 57–60.
144 Ebd., S. 80.
145 Ebd., S. 58.
146 Ebd., S. 59.
147 Ebd., S. 119–121.
Das Schwarze Wien
Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
- Titel
- Das Schwarze Wien
- Untertitel
- Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
- Autor
- Andreas Suttner
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien - Köln - Weimar
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20292-9
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 296
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918