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Das Schwarze Wien - Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
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Der Städtebau im schwarzen Wien | 73 Trotz neuer Bautechniken kamen beim Bau der Wiener Höhenstraße jedoch keinerlei Baumaschinen und Baugeräte182 zur Verwendung.183 Der dazu herangezogene Freiwillige Arbeitsdienst half mit seiner Belegschaft von ca. 130 Personen mit gemeinnützigen Arbei- ten wie Rodungen, Transport und Aushub von Material beim Bau mit, jedoch nur mit geringer Produktivität.184 Im Österreich der Zwischenkriegszeit wurden überhaupt nur Mischmaschinen, Schwenkkräne mit elektrisch angetriebenen Winden und Aufzüge als technische Hilfsmittel eingesetzt.185 BauarbeiterInnen waren meist Hilfskräfte, die mittels eigener Muskelkraft und der Hilfe von Pferden arbeiteten. Die Bauwirtschaft konnte gerade deswegen Auffangbecken für ungelernte Arbeitslose werden.186 Die verputzen Ziegelbau- ten187 blieben auch in der Zwischenkriegszeit die technische Grundlage der Bauweise der Gemeinde Wien. Baustoffe des Neuen Bauens wie Stahl, Beton und Glas wurden äußerst selten eingesetzt.188 Somit blieben ökonomische, technische Neuerungen bis auf wenige Beispiele auf der Strecke.189 Nutznießer dieser Baupolitik waren vor allem die Baufirmen. Die Baufirma von Anton Porr war beispielsweise an fast allen Arbeitsbeschaffungsprogrammen des autoritären Ständestaates beteiligt. Aufträge konnten durch Netzwerke und Querverbindungen des Präsidenten Ernst Mosing,190 des Baudirektors Ottokar Stern und des Baurates Max Tazoll191 182 Die Baumaßnahmen der Arbeitsbeschaffungsprogramme im US-amerikanischen New Deal waren ebenfalls ohne Bau- maschinen durchgeführt worden, um möglichst viele Arbeitslose zu beschäftigen, vgl.: Diane Ghirardo, Building New Communities – New Deal America and Fascist Italy, Princeton, 1989, S. 116. 183 Geleitwort des Stadtbaudirektors, in: Wiener Stadtbauamt (Hg.), Tätigkeit des Wiener Stadtbauamts, Bd. 1, 1974, S. 8. 184 Rigele, Wiener Höhenstraße, 1993, S. 119, 122. 185 Magistratsabteilung 24, Der kommunale soziale Wohnhausbau, in: Ebd., S. VII/8. 186 Matis, Stiefel, Baugesellschaft – A. Porr, Bd. 1, 1994, S. 277. 187 Dazu wurden Ziegel kleinsten Formates mit den Abmessungen 25/12/6,5 cm verwendet. Die tragenden Mauern reich- ten von 38 cm bis zu 51 cm Dicke, vgl.: Magistratsabteilung 24, Der kommunale soziale Wohnhausbau, in: Wiener Stadtbauamt (Hg.), Tätigkeit des Wiener Stadtbauamts, Bd. 1, 1974, S. VII/10 188 Institut für österreichische Kunstforschung des Bundesdenkmalamtes (Hg.), Österreichische Kunsttopographie, Bd. XLIV, 1980, S. 617. 189 Darunter die Novadom-Bauweise und das Bausystem Solo-Massiv. Erstere ist eine Ziegeltrockenbauweise von Dr. Ing. Honigmann und Ing. Bruckmayer. Schon 1934 wurde mit der Novadom-Bauweise in Split eine Siedlung für die Beamtenschaft ausgeführt. In Wien wurde 1935 in Döbling ein ebenerdiges Objekt und im Frühjahr 1936 ein zweige- schossiges Haus in der XVIII., Pötzleinsdorfer Straße 7 gebaut, vgl.: „Novadom“ – eine neue Bauweise, in: Österreichi- sche Bauzeitung, 1. Jg. Wien, Mai 1936, Nr. 14, S. 163 f. 1936 wurde ebenfalls von der Zentralvereinigung der Archi- tekten Österreichs gemeinsam mit der Novadom-Forschungsstelle ein Wettbewerb für den Entwurf von Kleinhäusern in der neuen Bauweise abgehalten. Als Preisrichter fungierte Siegfried Theiss, vgl.: Zeitschrift des Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereines, Nr. 88, Heft 35/36, Wien, 1936, S. 212 f. Die Trockenbauweise Solo-Massiv wurde 1934 der Vaterländischen Front durch Alfred Rothermann vorgestellt, vgl.: Ing. A. Rothermann & Co, 25.04.1934, in: AdR Sonderarchiv Moskau, Schachtel: 514/1/1301; Broschüre: Ihr Heim wird Wirklichkeit durch Bausystem Solo-Massiv, in: AdR Sonderarchiv Moskau, Schachtel: 514/1/1301. 190 Ab 1920 Vizedirektor der Porr AG, gleichzeitig Direktor der Bodencreditanstalt-Bank, Mitglied in mehreren Verwaltungs- räten, anerkannter Bankfachmann. 1922 wurde er Präsident der Porr AG, was zu einem engen Zusammenrücken der Baugesellschaft mit der Hausbank führte. 191 Tazoll hatte gute politische Kontakte zum nationalen Lager und requirierte dadurch Aufträge für die Baugesellschaft.
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Das Schwarze Wien Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
Titel
Das Schwarze Wien
Untertitel
Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
Autor
Andreas Suttner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien - Köln - Weimar
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20292-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
296
Kategorien
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