Seite - 74 - in Das Schwarze Wien - Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
Bild der Seite - 74 -
Text der Seite - 74 -
74 | Wien im Ständestaat
lukriert werden. Ein erster Großauftrag nach dem Regimewechsel war der Bau des Was-
serbehälters der Wiener Wasserleitung im Lainzer Tiergarten.192 Dieser wurde im Sinne
der Arbeitslosigkeitsbekämpfung mit nur einem Bagger durchgeführt.193 Dessen Bau kann
als wirkliche Maßnahme gegen die Arbeitslosigkeit gesehen werden, da die Versorgung
der Stadt durch den steuerbedingten Rückgang des Wasserverbrauchs von 1931 bis 1937
weitreichend gesichert war.194
Von den 145.000 Arbeitenden des Baugewerbes waren 80.000 dauernd arbeitslos und
rund 30.000 durchschnittlich nur 15 Wochen des Jahres beschäftigt.195 Das Budget des
Bundes 1937 ermöglichte nur eine Beschäftigung von 6.000 Arbeitskräften des Baugewer-
bes, unter Hinzuzählung des im nächsten Kapitel vorgestellten Hausreparatur- und Assa-
nierungsfonds insgesamt 12.000 Arbeitende, die damit aus der Arbeitslosigkeit geholt
werden konnten.196 Allgemein wurden von den 550.000 Arbeitslosen nie mehr als 10 %
beschäftigt, was zu der Annahme führt, dass das System der Arbeitsbeschaffung höchstens
propagandistischen Zwecken diente.197
2 2 Geschosswohnungsbau im Ständestaat
2 2 1 Privatwirtschaftlicher Geschosswohnungsbau
2.2.1.1 Assanierungsfonds der Stadt Wien
Das Wohnbauprogramm wurde unter Bürgermeister Schmitz, nach schon bestehenden
Einschränkungen im Roten Wien durch die Weltwirtschaftskrise, 1934 endgültig durch den
Wiener Assanierungsfonds198 und den sogenannten Hausreparaturfonds199 ersetzt.200 Bereits
nach der Auflösung des Parlamentes 1933 war von einer Allianz konservativer Parteien,
Er wurde 1934 als Konsulent in die Firma eingeführt und stieg bald in den Verwaltungsrat auf. Nach dem Anschluss
verblieb er als einzige Person im Verwaltungsrat und führte als neuer Präsident die Baufirma weiter.
192 Damals der größte Wasserbehälter Europas.
193 Matis, Stiefel, Baugesellschaft – A. Porr, Bd. 1, 1994, S. 238–242.
194 Magistratsabteilung 31, Die Wasserversorgung Wiens, in: Wiener Stadtbauamt (Hg.), Tätigkeit des Wiener Stadtbau-
amts, Bd. 2, 1974, S. XIV/3 f.
195 Arbeitsbeschaffung, in: Österreichische Bauzeitung, 2. Jg. Wien, Jänner 1937, Nr. 1, S. 1.
196 Arbeitsbeschaffung, in: Österreichische Bauzeitung, 2. Jg. Wien, Jänner 1937, Nr. 2, S. 13.
197 Matis, Stiefel, Baugesellschaft – A. Porr, Bd. 1, 1994, S. 233.
198 Niedrig verzinstes Darlehen für private Bauherren statt Ankauf des Grundstückes durch die Gemeinde und Niederle-
gung des Gebäudes, vgl.: Herrmann, Förderung der Bautätigkeit, in: Österreichische Bauzeitung, 1. Jg. Wien, April 1936,
Nr. 10, S. 113; LGBl. für Wien Nr. 43/1934: Verordnung des Bürgermeisters der Stadt Wien vom 27. Juli 1934, betreffend
die Errichtung eines Fonds zur Förderung der Bautätigkeit in Wien (Wiener Assanierungsfonds); BGBl. II Nr. 339/1934:
Bundesgesetz vom 30. Oktober 1934, betreffend den Fonds zur Förderung der Bautätigkeit in Wien (Wiener Assanie-
rungsfonds).
199 BGBl. II, Nr. 130/1934: Subvention zur Erfüllung der Instandsetzungsplicht des Hausbesitzers.
200 Melinz, Unger (Hg.), Wohlfahrt und Krise, 1996, S. 45.
Open Access © 2017 by Böhlau Verlag Ges.m.b.H. & Co. KG, Wien Köln Weimar
Das Schwarze Wien
Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
- Titel
- Das Schwarze Wien
- Untertitel
- Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
- Autor
- Andreas Suttner
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien - Köln - Weimar
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20292-9
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 296
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918