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78 | Wien im Ständestaat
mensschichten begünstigten.215 Die schnelle Erschöpfung der Gelder hatte der Wohn-
bauförderung 1932 ein jähes Ende gesetzt.216 Die teuren Wohnungen in den privaten
Wohnhäusern waren im Vergleich zu den billigen Mietpreisen des Roten Wien nicht ren-
tabel. Damit war die Reaktivierung der privaten Bautätigkeit durch die Bundesregierung
1932 eindeutig gescheitert.217 Schmitz konnte erst nach der Ausschaltung des sozialen
Wohnbaus und der Änderung gesetzlicher Grundlagen in Wien die Wiederbelebung der
Förderung privater Bautätigkeit versuchen.
Der Assanierungsfonds wurde trotzdem mit geringeren Mitteln ausgestattet als der
Wohnbauförderungsfonds. Auch dessen Darlehen mussten höher verzinst zurückgezahlt
werden.218 Realität war ferner, dass diese oft verspätet ausbezahlt wurden und die Bau-
führer sich einen Zwischenkredit aufnehmen mussten, was zu einer Verteuerung der
Bauvorhaben führte. Dies veranlasste den Direktor der Zentralsparkasse Friedrich Thausing
dazu, aufgrund der begrenzten und damit übersehbaren Anzahl der Bauvorhaben die Stadt
Wien als Bürge und Zahler sowie zur Sicherstellung des Grundbucheintrages anzuhalten.219
Im Februar 1936 wurden dann die Bestimmungen des Fonds220 auf die Verbesserung
städtebaulicher Verhältnisse ausgedehnt und mit nicht rückzahlbaren Darlehen unterstützt.221
Nach der Wiederverlautbarung222 des Fonds im März 1936 zog sich jedoch die Bundes-
regierung als Mitfinanzier zurück und überließ das Feld der Wiener Gemeindeverwaltung,
was ein Zusammenschmelzen der durch das Bundesgesetz dotierten öS 6 Mio. auf
öS 600.000 nach sich zog.223 Zur Kompensation des Subventionsausfalles wurde im April
sogar angeregt, den Fonds auf die Verbauung von bereits bestehenden Baulücken auszu-
dehnen, um die Niederlegungskosten der Häuser sparen zu können.224
Der Assanierungsfonds hatte aufgrund seiner geringen wirtschaftlichen Ausgestaltung
nur wenig Einfluss auf das Baugeschehen in Wien.225 Laut eigenen Angaben der Wiener
Stadtverwaltung wurden damit in den Jahren 1934 bis Anfang 1938 insgesamt 55 Geschoss-
215 Laut Wilhelm Bonczak, dem Präsidenten des Zentralverbandes der gemeinnützigen Baugenossenschaften in Öster-
reich, entzog das Bundesgesetz zur Förderung der Wohnbautätigkeit dem gemeinnützigen Wohnbau öffentliche Gel-
der, vgl.: Bonczak, Wohnungsfürsorge, 1947, S. 173 f.
216 Türr, Wohnungsprobleme Österreichs, 1933, S. 184 f.
217 Rosenblum, Gemeinde Wien, 1935, S. 147 f.
218 Magistrat der Stadt Wien (Hg.), Wiener Assanierungsfonds, 1937, S. 7 f.
219 Herrmann, Förderung der Bautätigkeit, in: Österreichische Bauzeitung, 1. Jg. Wien, April 1936, Nr. 10, S. 113.
220 Gesetzblatt der Stadt Wien Nr. 19/1936: Stadtgesetz vom 21. Februar 1936, betreffend die Änderung der Bestimmun-
gen über den Wiener Assanierungsfonds.
221 Magistrat der Stadt Wien (Hg.), Drei Jahre neues Wien, 1937, S. 25.
222 G.Bl. der Stadt Wien Nr. 21/1936: Verordnung des Bürgermeisters der Stadt Wien vom 14. März 1936 betreffend die
Wiederverlautbarung der Verordnung über den Wiener Assanierungsfonds.
223 Friedrich Thausing, Das Problem der Assanierungsbauten, in: Österreichische Bauzeitung, 1. Jg. Wien, April 1936,
Nr. 10, S. 114.
224 Herrmann, Förderung der Bautätigkeit, in: Österreichische Bauzeitung, 1. Jg. Wien, April 1936, Nr. 10, S. 113.
225 Melinz, Unger (Hg.), Wohlfahrt und Krise, 1996, S. 45.
Open Access © 2017 by Böhlau Verlag Ges.m.b.H. & Co. KG, Wien Köln Weimar
Das Schwarze Wien
Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
- Titel
- Das Schwarze Wien
- Untertitel
- Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
- Autor
- Andreas Suttner
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien - Köln - Weimar
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20292-9
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 296
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918