Seite - 89 - in Das Schwarze Wien - Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
Bild der Seite - 89 -
Text der Seite - 89 -
Geschosswohnungsbau im Ständestaat | 89
um die Diskussion zu beschleunigen.279 1935 setzte sich Ernst Mosing280 in verschiedenen
Artikeln in der Wiener Wirtschaftswoche wiederholt für eine Einführung dieser Idee ein.281
Bei einer eigens initiierten Kundgebung Wer baut baut auf! des Blauen Adler wurden
1936 die historischen Wurzeln und ideologischen Grundlagen des Gesetzesentwurfes
umrissen. Eine Wiederbelebung des Gesetzes von 1879 sollte einen Teil des Miethausbe-
standes in die Eigentümerschaft überführen. Dabei war die Überlegung wichtig, dass eher
eine Wohnung als ein ganzes Haus gekauft werden würde. Zudem wurde damit gerechnet,
dass sich das Eigentumsverhältnis positiv auf die Erhaltung der Häuser auswirken würde.
Die Finanzierung von Eigentumswohnungen und -geschäften sollte von den Bausparkas-
sen282 getragen werden. Auf der Basis internationaler Beispiele von Ungarn, Polen, Frank-
reich, Italien, Deutschland den USA und einigen nordischen Ländern war ein einheitlicher
Gesetzesentwurf283 ausgearbeitet worden.284
1936 entsandte der ständische Gewerkschaftsbund eine Delegation nach Budapest, die
in einem Bericht des Redakteurs Wilhelm Salzer in der Sitzung der Bau-Sektion des Blauen
Adler vom 8. November 1937 gipfelte. Nach der Entscheidung, eine eigene Rechtsform
einzuführen wurde mittels der Sonderschrift Wir müssen bauen Kontakt mit zuständigen
Stellen285 aufgenommen.286
Schon vorher wurde versucht, die Eigentumsidee mittels Erstellung von Kleinwohnun-
gen287 umzusetzen. Da noch keine allgemeingültige Gesetzesvorlage existierte, entwickel-
ten unterschiedlichste Institutionen eigene Lösungsmodelle.288 Beispielsweise wurde vom
279 Der Blaue Adler – Verband zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit (Hg.), Mitteilungen des Blauen Adler – Wir müssen
bauen, Jg. 3, Nr. 13, Wien, 1937, S. 39.
280 Ab 1922 Präsident der Porr AG, gleichzeitig Direktor der Bodencreditanstalt-Bank und damit der Hausbank der Porr AG,
Mitglied in mehreren Verwaltungsräten, anerkannter Bankfachmann, vgl.: Matis, Stiefel, Baugesellschaft – A. Porr,
Bd. 1, 1994, S. 238–242.
281 Erich Exel, Das Wohnungseigentum – Geschichte – Praxis – Ideologie, Wien, 1949, S. 10.
282 Angedacht waren Eigenmittel in Höhe von 40 %.
283 Die MiteigentümerInnen der Liegenschaften sollten Verantwortung für das Gemeinschaftseigentum Keller, Stiegen-
häuser, Waschküchen, Aufzüge, Heizungsanlagen und Höfe mittragen. Im Gesetz wurde ebenfalls der finanzielle und
rechtliche Umgang mit anderen MiteigentümerInnen und den VerwalterInnen geklärt, vgl.: Gesetz betreffend Eigentum
an Wohnungen und Geschäftsräumen, in: AdR Sonderarchiv Moskau, Schachtel: 559/1/1.
284 Wer baut baut auf! Kundgebung des Blauen Adler, Verband zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, im groszen Konzert-
haussaal (Wien) am 25. März 1936, S. 19–21, in: AdR Sonderarchiv Moskau, Schachtel: 559/1/13.
285 Gewerkschaftsbund, Mieterbund, Gewerbeverein, Ingenieur- und Architekten-Verein, Ingenieurkammer, Bundesminis-
terium für Justiz, Bundesministerium für soziale Verwaltung, Bundeskanzleramt, Landesstatthalter, Banken, Spar-
kassen, verschiedene Zeitungen u. a. Den Kontakt zum Bundesminister für Finanzen Rudolf Neumayer übernahm der
ehemalige Botschafter C. Dumba.
286 Taetigkeitsbericht des Blauen Adler Verband zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit vom November 1936 bis Dezember
1937, S. 5–7, in: AdR Sonderarchiv Moskau, Schachtel: 559/1/2.
287 Die Kleinwohnungen hatten durch das Wohnbauförderungsgesetz Anfang der 1930er Jahre eine Größe von 35 m² bis
60 m², vgl.: Gessmann, Kämpfer, Bauwirtschaftliche Maßnahmen, 1932, S. 40.
288 Der Blaue Adler – Verband zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit (Hg.), Mitteilungen des Blauen Adler – Wir müssen
bauen, Jg. 3, Nr. 13, Wien, 1937, S. 40.
Das Schwarze Wien
Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
- Titel
- Das Schwarze Wien
- Untertitel
- Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
- Autor
- Andreas Suttner
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien - Köln - Weimar
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20292-9
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 296
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918