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90 | Wien im Ständestaat
Direktor des Blauen Adler, Stefan Margulies,289 der Vorschlag getätigt, ein Grundstück in
bester Lage in Wien für eine Wohnhausanlage290 mit ca. 30 mittleren Eigentumswohnun-
gen anzukaufen. Das Projekt sollte ohne öffentliche Förderung durch eine bestehende
Genossenschaft und die Bausparkasse finanziert werden. Die termingerechte Fertigstellung
des Musterbaus sollte publizistisch unterstützt werden. Aus propagandistischen Gründen
sollte nach Fertigstellung eine Gedenktafel mit dem Hinweis der Förderung durch Kar-
dinal Theodor Innitzer, Präsident Drexel291 und Clemens Holzmeister am Eigentums-
wohnhaus angebracht werden.292 Stadtbaudirektor Musil lehnte die Anfrage des Blauen
Adler an Bürgermeister Schmitz zur diesbezüglichen Nutzung des innerstädtischen Grund-
stückes VII., Lerchenfelder Straße 1 im Juli 1936 ab.293
Zwei nicht näher benannte Aktiengesellschaften wollten ihre Eigentumswohnungs-
häuser mittels einer Genossenschaft finanzieren. Der Mieterbund versuchte ebenfalls zwei
Objekte zu errichten, deren Eigentümer er vorerst bleiben wollte.294 Als Vorzeigeobjekte
wurden auf den Gründen des ehemaligen Freihauses am 20. März 1936 das Haus Rechte
Wienzeile 71295 sowie ein Haus in der Castelligasse296 im V. Bezirk geplant.297
Josef Peßl298 sprach sich Ende 1937 für die Errichtung eigener Hauseigentumsgesell-
schaften zur Lösung von Finanzierungsproblemen aus. Zur Ausführung sollten moderne
Mietshäuser verschiedener Größen mit mittleren und kleinen Wohnungen in den Villen-
vierteln und an den Stadträndern kommen.299 Zwei nicht näher benannte Baufirmen
289 Ebenfalls Direktor der Vaterländischen Baugesellschaft.
290 Die Erstellung von Kleinhäusern im dicht verbauten Gebiet wurde als unmöglich verworfen. Trotzdem wollte die Verei-
nigung auch nicht auf die Erstellung von Objekten am Stadtrand ausweichen.
291 Pater Albert Drexel war auch Obmann der allgemeinen Baugenossenschaft Alba in Innsbruck, vgl.: Die Eingliederung
des Bausparwesens in die berufständische Wirtschaftsordnung Österreichs, in: Das Wüstenroter Eigenheim, Jg. 1936,
Februar, Salzburg, S. 43.
292 Vorschlag betreffend praktische Inangriffnahme der Stockwerks- bzw. Wohnungs-Eigentum – Aktion des Blauen Adler,
in: AdR Sonderarchiv Moskau, Schachtel: 559/1/3.
293 Michael J. Zeps, Documents of Baudirektion Wien 1919–1941: Notes of Michael J. Zeps, S. J., in: Marquette University
– History Department (Hg.), History and Faculty Research, 2011, S. 184, Aktenzahl: 2795/36, in: http://epublications.
marquette.edu.
294 Der Blaue Adler – Verband zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit (Hg.), Mitteilungen des Blauen Adler – Wir müssen
bauen, Jg. 3, Nr. 13, Wien, 1937, S. 40.
295 1937/38 wurde an dieser Stelle vom Architekten Konstantin Peller das Wohnhaus zum Wassermännchen verwirklicht,
jedoch nicht als Eigentumsbau, vgl.: Weihsmann, In Wien erbaut, 2005, S. 287.
296 Anscheinend das 1936 von Hans Plaschke gebaute Haus Castelligasse 7.
297 Magistrat der Stadt Wien (Hg.), Drei Jahre neues Wien, 1937, S. 26 f.
298 Tätig als Prokurist bei der Landeshypothekenanstalt Linz, wurde Peßl 1929 Leiter der im vorhergehenden Jahr ge-
gründeten Geschäftsstelle für Wohnbauförderung und später zusätzlich Vorstandsmitglied im Zentralverband der
gemeinnützigen Baugenossenschaften in Österreich. Er arbeitete vor allem für die Siedlungsförderung, vgl.: Bonczak,
Wohnungsfürsorge, 1947, S. 162 f., 192.
299 Der Blaue Adler – Verband zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit (Hg.), Mitteilungen des Blauen Adler – Wir müssen
bauen, Jg. 3, Nr. 13, Wien, 1937, S. 26 f.
Open Access © 2017 by Böhlau Verlag Ges.m.b.H. & Co. KG, Wien Köln Weimar
Das Schwarze Wien
Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
- Titel
- Das Schwarze Wien
- Untertitel
- Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
- Autor
- Andreas Suttner
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien - Köln - Weimar
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20292-9
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 296
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918