Seite - 109 - in Das Schwarze Wien - Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
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Geschosswohnungsbau im Ständestaat | 109
Die zweigeschossige Sockelzone, bestehend aus Geschäften und Büros, wurde mittels
schwarzer Spiegelglasplatten und einem kupferfarbenen Gesimsstreifen von der übrigen
weißen Fassade abgesetzt.398 Diese Trennung findet sich nicht nur im ständestaatlichen
Assanierungsgebiet IV., Operngasse, sondern auch bei den Gebäuden der zeitlich späteren
Assanierung der Wollzeile im I. Bezirk.399 Auch außerhalb der Sanierungsgebiete fand
dieses stilistische Mittel für die Ausgestaltung der Fassaden innerhalb der Förderung des
Assanierungsfonds weitreichende Anwendung. Beispielsweise beim Stadthaus zum Römer-
tor I., Lichtensteg 2 – Rotenturmstraße 15 – Rotgasse 2,400 beim Wohn- und Geschäftshaus
I., Singerstraße 4,401 1935–1937, beim Lindwurmhaus I., Laurenzerberg 3 – Hafnersteig 10,402
beim Wohnhaus Zum verlornen Sohn VII., Neubaugasse 17/19 – Ahornergasse 7,403 in der
VII., Lerchenfelder Straße 60404 und in der VII., Lerchenfelder Straße 81, 85/89.405 Inner-
halb des Kleinwohnungshausförderungsgesetzes von 1937 wurde die explizite Trennung des
Wohn- und Geschäftsbereichs durch unterschiedliche Materialien und Farbgestaltung
weitgehend zurückgenommen und nur mehr die Absetzung der Geschäftszone mittels
eines Gurtgesimses präferiert. Eines der wenigen Beispiele, die der stilistischen Ausge-
staltung des Assanierungsfonds folgen, stellt das erst 1938 fertig gestellte Wohn- und
Geschäftshaus III., Landstraßer Hauptstraße 129406 dar. Der Geschäftsbereich wurde
mittels einer Natursteinverkleidung von den Wohnbereichen abgesetzt.407
Ein weiteres Mittel der Fassadengliederung stellten quaderförmige Erker dar,408 die bei
fast allen Gebäuden des Assanierungsfonds und KlWFG als stilistisches Merkmal und zur
gleichzeitigen Maximierung der Wohnfläche verwendet wurden. Die Erkergliederung ist
besonders auffallend und wirkt insbesondere bei Ecklösungen. Einzigartige Beispiele einer
gestaffelten, sich nach oben verbreiternden Erkergliederung stellt das Stadthaus zum
Römertor I., Lichtensteg 2 – Rotenturmstraße 15 – Rotgasse 2409 und das Wohnhaus XIII.,
Maxingstraße 4b410 dar. Der Windmühlhof VI., Windmühlgasse 13a411 wartet mit einem
gerundeten Erker auf, der durch ein Relief und eine farbliche Gestaltung den Mittelpunkt
„Kunstrealitäten“, 1997, Tagungsband, S. 125 f.
398 Meder, Eiblmayr, Hochhaus, 2009, S. 78.
399 Siehe Bauliste und Einführung in das Kapitel auf S. 202: Assanierungsfonds, Assanierungsgebiet Wollzeile.
400 1934/35, Heinrich Schmid, Hermann Aichinger, Assanierungsfonds, siehe Bauliste.
401 1935–1937, Karl Hofmann, Felix Augenfeld, Assanierungsfonds, siehe Bauliste.
402 1935–1937, Felix Angelo Pollak, Assanierungsfonds, siehe Bauliste.
403 1936/37, Hermann Stiegholzer, Assanierungsfonds, siehe Bauliste.
404 1935–1937, Heinrich Sperber, Assanierungsfonds, siehe Bauliste.
405 1935–1937, Hermann Stiegholzer, Herbert Kastinger, siehe Bauliste.
406 1938, Wilhelm Peterle, KlWFG 1937, siehe Bauliste.
407 Siehe Bauliste.
408 Plischke, Assanierungsgebiet Operngasse, in: Tabor (Hg.), Kunst und Diktatur, Bd. 1, 1994, S. 228.
409 1934/35, Heinrich Schmid, Hermann Aichinger, Assanierungsfonds, siehe Bauliste.
410 1935–1937, August Belohlavek, Assanierungsfonds, siehe Bauliste.
411 1937/38, KlWFG 1937, siehe Bauliste.
Das Schwarze Wien
Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
- Titel
- Das Schwarze Wien
- Untertitel
- Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
- Autor
- Andreas Suttner
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien - Köln - Weimar
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20292-9
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 296
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918