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Das Schwarze Wien - Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
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116 | Wien im Ständestaat In der Vereinigung Neues Leben wurde eine Durchsetzung und Verfestigung des stän- destaatlichen Ideals durch künstlerische Ausgestaltungen angestrebt.444 Die ideologische Ausrichtung der Kunst am Bau wurde dabei innerhalb des Konstruktes der Österreich- Ideologie verortet. Inhalte waren vorwiegend christliche Mythologie, Handwerkskunst und Brauchtum.445 Weiters die Darstellung der glorreichen österreichischen Vergangenheit sowie Landschaft und Natur.446 Die Polizeiwohnhausanlage XIV., Isbarygasse 5–7 – Samhaberplatz 1 – Rettichgasse,447 deren Errichtung eine ideologische Umwertung der kommunalen Hofverbauung für die bevorzugten Gruppen des Regimes darstellte, setzte ein erstes diesbezügliches politisches Zeichen durch einen Verweis auf die Machtmittel des Staates. In der Isbarygasse wacht auf einem weit sichtbaren Relief Erzengel Michael über dem Drachenkopf. Somit stand am Anfang des schwarzen Wien die Klärung der politischen Fronten zwischen Sozialde- mokratie und Vaterländischer Front. Besonders stark wurde die Verwobenheit des autoritären Regimes mit der katholischen Kirche durch die Verwendung sakraler Kunst am Bau thematisiert, insbesondere bei den Familienasylen.448 Ausgehend vom ersten Familienasyl St. Brigitta449 wurde die Benennung der weiteren Heime durchgehend mittels der künstlerischen Darstellung von Heiligen verbunden und durch deren zugeschriebene Tugenden der Fürsorgecharakter hervorho- ben.450 Im Familienasyl St. Josef451 wurde neben der Darstellung des Hl. Josef auch ein Keramikrelief Mutter mit Kind angebracht. Kunst am Bau mit religiöser Semantik wurde aber auch an den Gebäuden des Assanie- rungsfonds verwendet. Am Hueberschen Haus I., Singerstraße 30–32 – Seilerstätte 4452 die Steinplastik Maria Immaculata auf Wolkenberg mit Engelsköpfen und am Wohnhaus IV., Ziegelofengasse 18453 wurde die Sandsteingruppe Marienkrönung des abgerissenen Hauses wieder ins Portal integriert. Das durch die NS-Verwaltung entfernte Fassadenmotiv Vater- land und Kirche in der VIII., Strozzigasse 6,454 dem Nachbarhaus des konservativen Ver- lagshauses Herold455, wies ebenfalls auf eine weitgehende Verquickung von Kirche und Staat hin. 444 Pfoser, Renner, „Ein Toter führt uns an!“, in: Talos, Neugebauer (Hg.), Austrofaschismus, 2005, S. 342. 445 Elisabeth Corazza, Beate Lang, Frank M. Weber, Mosaike an Wiener Gemeindebauten – Kunst am Bau im Wien der Nach- kriegszeit, Wien, 2009, S. 31. 446 Mattl, Im Namen des Staates, in: Wailand, Weh (Hg.), Kunst am Bau, 1998, S. 26. 447 1934/35, Hermann Stiegholzer, Erich Franz Leischner, siehe Bauliste. 448 Feller, Kunst-am-Bau, in: Tabor (Hg.), Kunst und Diktatur, Bd. 1, 1994, S. 283–285. 449 XX., Adalbert-Stifter-Straße 69–71, 1935, Engelbert Mang, Fassadenplastik Hl. Brigitta von Oskar Thiede. 450 Für die weiteren Familienasyle siehe Bauliste. 451 X., Ettenreichgasse 42–44, 1935/36, Franz Wiesmann, Gusssteinfigur Hl. Josef im Mitteltrakt von Josef Heu, Kerami- krelief Mutter mit Kind an der Fassade Troststraße. 452 1937–1939, Assanierungsfonds, siehe Bauliste. 453 1937, Franz Paitl, Assanierungsfonds, siehe Bauliste. 454 Weihsmann, Das Rote Wien, 2002, S. 236f; Assanierungsfonds, siehe Bauliste. 455 Unter NS-Verwaltung wurde an der VIII., Strozzigasse 8 ein Fresko angebracht; vgl.: Ebd. Open Access © 2017 by Böhlau Verlag Ges.m.b.H. & Co. KG, Wien Köln Weimar
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Das Schwarze Wien Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
Titel
Das Schwarze Wien
Untertitel
Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
Autor
Andreas Suttner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien - Köln - Weimar
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20292-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
296
Kategorien
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