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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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REPRÄSENTATIONEN DYNASTISCHER SCHLÜSSELMOMENTE 185 Aria. Wiewolt inithupfen AmTuchetel zupfen! DasPrintzel zerbussen, DieBuebenzammhussen. Daßallemitmir Mit schönsterManier Umd'Wiegen Um iegen Umspringen Umsingen, MitHändenundFüssen Umpocken,umtantzen,umjugetzenmüssen! Schulmeister. ManwurdEnckbaldzammenzumZimmernausbutzen, UnddirdeineFlügelmitHaselnußstutzen! WasgiltsderPrintzPepperlderbrächtsArgument, ZumWehren,zumWiegen,zumHeidelngerennt? Erhat schonänSäbelvonUngrischenStahl; ErrämetEnckalli zammaussizumSaal?30 5 Hiemperl] einfältiger Mensch, Dummerle 8 Weinfaltern] Schmetterlinge 9 eini] hinein 12 Tuchetel] (klei- nes) Federbett, Bettdecke 13 zerbussen] abbusserln, küssen 14 zamm hussen] antreiben, anstacheln 22 Um- pocken]umspringen25 PrintzPepperl]Thronfolger Joseph26 Heideln] streicheln, liebkosen28 rämetEnck allizammaussi]erwürdeeuchallezusammenhinausräumen,hinausschmeißen Mit einem liebevollen Seufzer („ Es seyts mir halt Bueben/Abdräht wie die Rueben“ 31) quittiertderSchulmeisterdiedreistenPläneseinerEleven;eingemeinsameslateinisches Gebet fürdieRegentenbeschließtdasWerklein. Ein Schullehrer begegnet uns auch in der Prosaszene Der Freuden- und Ehrentag (1792), die die dörflichen Geburtstagsfeierlichkeiten für den Landesfürsten Karl Theo- dor (seit 1777 Kurfürst von Bayern) zu einer recht aufdringlichen Unterweisung in Herrscherliebe und Vaterlandstreue nutzt. Er soll den begeisterten Dörflern, die sich nachderMessebeimWirtzusammengefundenhaben,dieFestpredigtausdeuten: Peter. Solt's leben, Augustin! geh kommt's da auf unsern Tisch her. Heute seyd ihr Zechfrey: habt auch viele Mühe g'habt, viel Arbeit, bis 's alles so herg'stellt habt. Aber 's soll euch nicht reuen: 's elallesgutaus. Schulmeister,Messmerzugleich. Nu!wennallesBeyfall fand,sofreutmich'sherzlich.[...]32 DerkurzePropagandatextdienteganzoffensichtlichzur ideologischenGleichschaltung des bayerischen Volks, dem – angesichts der Vorfälle in Frankreich – das Gottesgna- dentum seines Landesfürsten Selbstverständlichkeit sein und die Vorzüge des monar- chischen Prinzips vor Augen geführt werden sollte. Aus dialektästhetischer Sicht birgt 30 Ebda., f. 4r. 31 Ebda., f. 4v. 32 DerFreuden-undEhrentag.EinGesprächaufdemLande,beyGelegenheitdeshöchstenGeburtsfestesun- sers durchlauchtigsten Landesvaters Karl Theodors, im Jahre 1791. München, gedruckt bei Joseph Zangl, bürgerl. Stadtbuchdrucker1792,S.5f.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Titel
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Untertitel
Eine andere Literaturgeschichte
Autoren
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
652
Schlagwörter
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800