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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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OpenAccess © 2019byBÖHLAUVERLAGGMBH&CO.KG,WIENKÖLNWEIMAR 206 HERRSCHAFT UND UNTERTAN fälschlich für gschehä: geschehen 6,4 sperr] trocken, dürr, herb 7,1 Laudamus] (lat. ‚ wir loben`) vom kirchli- chen Lob- und Bittgesang Te Deum laudamus (‚ Dich, Gott, loben wir`) 7,2 Doppelhacken] Doppelhaken: auf RädernruhendeskleinesGeschütz Bixen]Büchse:Gewehr schoist] schießt7,3 Fötz]Mäuler,Münder Der Fokus des offenbar recht populären Lieds66 liegt unmissverständlich darauf, Kon- tinuität und Legitimität der Herrschaft als gesichert darzustellen: Der Kaiser habe noch zuLebzeitenallesgeregelt, seineTochterhabedieHerrschaftübernommen,undmitder Geburt des Thronfolgers sei auch die Nachfolge sichergestellt.67 Besonderes Gewicht wird gerade auf diese Sicherstellung der männlichen Nachfolge gelegt: Denn dass die HerrschaftaufeineFrauüberging,warsowohlimVolkrechtfertigungsbedürftigalsauch iminternationalenKontext– sieheErbfolgekrieg– eineGefahr.Sokonzentriertsichdas Lied auf die Versicherung, dass es im Land nicht zu chaotischen Zuständen kommen werde. Eine mögliche Infragestellung der Legitimität der weiblichen Thronfolge wird bezeichnenderweise nicht erwähnt; auch die Auseinandersetzungen mit anderen euro- päischenMächtenklingenimLiednurimallgemeinenAufrufan,stets ‚ gegendenFeind zustreiten`. AuchdieBegräbnisfeierselbstbotalszeremoniellerAbschlusseinerÄradieMöglich- keit,Herrschermachtdemonstrativzuinszenieren,wobeisichliturgischesundhö sches Zeremoniell bei der pompösen Prachtentfaltung gegenseitig ergänzten. Kaiserin Maria Theresia wollte ein schlichtes Begräbnis, doch Joseph hielt sich nach ihrem Tod am 29. November 1780 nicht daran, da ihm der identitätsstiftende Wert des minutiös ge- planten traditionellen Staatsakts durchaus bewusst war. Drei Tage war die Verstorbene inderHofkapelleaufeinemTrauergerüst im– wievonihrgewünscht– einfachenKleid ausgestellt;amAbenddes3.DezembersaberbekamdasschondamalsfürseinenToten- kult bekannte Wien seine ‚ schöne Leich`, ein aufwändiges Bestattungszeremoniell laut Protokoll mit der faszinierten Bevölkerung als Publikum.68 Wer nicht anwesend war, 66 SowirdineineranderenFlugschriftderZeitbeimWeihnachtsliedAufauf ihrHirtennichtverweilet (nicht dialektal) angegeben: „ Im Thon: Jackerl den Winter ist traurig g'wesen“ , vgl. Vier schöne neue Weihnacht Lieder. Das Erste: Geh bruder steh Fruh auf, legs etc. Das Zweyte: Schau schau was ist dann das schon mehr, etc. Das Dritte: Auf auf ihr Hirten nicht verweilet, Das Vierte: Mein was hats denn mehr gebn bey däNacht, etc.Gedruckt indiesemJahr. 67 Die quasi-familiäre Beschreibung des Herrscherhauses operiert in einer nur bei Ditfurth überlieferten fünfstrophigenVarianteauchwiedermitTopoidesHirtenlieds: 3 LoßmademKindelaMueßeleinkocha, LaßihmbeiLeibkaiMongelnit seyn, Thut ihmfeinwackerSemeldreinbrocken, Daßes feinhübschstille thutschweig'n. Es thutschonmitdenHandeldeuta, DaßmanbravwiderdenFeindsoll streita; HastdukaiLiecht'lnit, Daßeshalt spieltdomit, Undweinetnit. AbgedrucktinDitfurth,HistorischeVolkslieder1,S.314f.;Quellenangabedort:„ Fl.Blattmitausgerißnem Titel.“ DieseVarianteweicht inStrophe3– 5vonderobigenVersionab. 68 Vgl.WalterKoschatzky(Hg.):MariaTheresiaundihreZeit.Zur200.WiederkehrdesTodestages.Katalog zur Ausstellung 13. Mai bis 26. Oktober 1980 Wien, Schloss Schönbrunn. Salzburg/Wien: Residenz 1979, S.201ff.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Titel
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Untertitel
Eine andere Literaturgeschichte
Autoren
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
652
Schlagwörter
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800