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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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REPRÄSENTATIONEN DYNASTISCHER SCHLÜSSELMOMENTE 207 konnte sich über Druckschriften informieren; darunter – kaum verwunderlich – auch ein dialektaler Bauerndialog ‚ von dem Leichgepränge`, der auffälligerweise in Prosa ge- haltenist.DerausderStadtZurückgekehrteberichtetvonseinerzufälligenBeobachtung eines Trauerzugs auf dem Weg zur Kapuzinergruft. Erst zum Ende der detaillierten Be- schreibung verrät er seinem Gesprächspartner, dass es das Begräbnis der Monarchin war,überderenTodsichbeideäußerstbetroffenzeigen: Steffel. D'Leut seynd Hauffenweis eini marschirt, sogar Kinder habns aufm Arm eini tragn, aber Wagn habens nit viel eini lassen, wie i in d'Stadt bin kumma auf den großen Platz, wo sies Mehl feil haben, hab i nu vielmehr Soldaten g'seha, als vor zwey Jahren bey uns sand im Quartir glegen, ja Nachbar unser Mark war für sie glat zeng, Reuter und andere sand in allen Gassen gstanden, und haben d'Leut, wie sie sich haben wolln zubi tränga, mit der Schoißen au gstessen.NachersandaganziMengageschekataMännerundWeiber, iman, sandKinder a dabey g'west, alle bey ainer Kirchen sands aussa kumma, die neben der Pastey steht, ja Bru- der,wieunsreHerrnimPalmsonntag,allepaarundpaar,aberNachbar,wiediegarsandgwest, habi so viel Pater gsehn, sie habn just so ausg'schaut, wies ofter aussa kuma, sand a zwa und zwamiteinandaganga,habnalleschneeweißeLichter inHändeng'habtundvorausüberallan schön Herrgott, nacher sand wieder andere daher köma, die habn ausschaut, wie unser Vikari beymPredinga,ChorhemadahabnsanhabtundschwarzeviereketeHaubenauf, justwieunser Pfarrer,meinNachbar. Jakel. Dashätt i a sehnmögen. Steffel. Is nu nit gar. Jetzt kumts erst; lauter vornehme Herrn, alle sand schwarz daher ganga, sand a viel dabey gwest mit so Barocka, wie unser Verwalter hat, endlich hab i Leut gscheha, die habn a nit schlecht auschaut, aber alli traurig sands gwest, nacher war ma bald die Zeit lang warn, vor lauter warten, endli sänd wieder Soldaten köma, und noch ima zwa kohl Ra- benscharze Reitter, den ist a Wagn mit 4 Rossen nachgfahren, sand a vornehme Herrn drina g'sessen, abermal sand zwa Wagn kumma, in den sand 8 schwarze Herrn drina gwest, mehr aber Nachbar habi an langmächtinga Wagn g'sehn, 6 schwarze Rappen habna zogn, i hab g'sehen Herrn aussteigen, sand alln goldene Schlüsseln beym Taschen agnat gwest, schwarze Mannersandnachersovieldaherkumma,aberkanerhatkanHutaufghabt. Jakel. Aberalle schwarz? Stefel. Nur Zeit g'lassen Nachbar, wird als kumma, a Wagn ist still daher g'fahren, durchaus schwarz ausg'macht, daneben sand 12 saubri Knaben mit dickmächtinga Waxkerzen ganga, zwa aber a kohlschwarzi sand ohne Huit sachti beym Schlag fortg'schritt, um die hab i aller- handvornehmeHerrngsehn, sandkamrechtSoldate[n]g'west,undhabndoasoausgschaut, neb'n meiner, sagt anar, es sand Hatschiern und Leibguardi, die aber auf d'Pferd sand gritten, haben Tromeln und messinge Pfeiffen voraus ghabt. Wagn sand wieder drey auf d'lezt köma, mit 6 Rossen, sand mani lauter schwarzi Gra na drina g'sessen, und Soldaten sand nachi ma- schirtaganzaPlunda,habnMusickg'macht, aberganztrauri. Jakel. DasDingkümtmafür,alswarwerg'storben. Steffel. Schon darathn, laß am voneh gar dazehln; i hab mi zubidruckt, denki i, muß da seha, was dann weita giebt, so habn's den schwarz'n Wag'n aufg'macht, und hab'n a recht schöni Trucha aussa g'höbt, mitlauta guldana Handhab'n, auf die Trucha hab'ns a Tuch aufbratt, ist glaubi a völli Silba oda Gold g'west, und an Herrgott hab'ns au g'stellt, ja Nachba, an recht an hibsch'n, nebst ihm aba hab'ns allahand gliezende Sacha hing'stellt, ganz guldane Hauben, mit an verguldten Zaga, Bilda hab'ns a umadum ang'hängt, hab'n just ausg'seha, wie ma sagt, es hats da Kaser im Schield, nacha ist a ganzi Mengi Präcepta köma, die hab'n alli Musi g'macht, und Nachbar, Vikari hat's geb'n, all schwarz und weis anzog'n, a ganza Hauff'n Bischof sand hinden drein kuma, gut a sechzehn, und nach ihna gar a Vornehma, s'habn g'sagt, seys der Kardinal, a mit Bischofhaub'n, und a ganzi Schaar mit ihm, hab'n alli g'stickte Klada bis auf dieKnieang'habt,vonderschönTruchasandvierguldeneSchnürabig'hengt,diehab'nrecht praviHerrninHändeng'habt,d'Leuthab'ng'sagt,eswar'nFürst'n,nebenihnasandlautaSau-
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Titel
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Untertitel
Eine andere Literaturgeschichte
Autoren
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
652
Schlagwörter
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800