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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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OpenAccess © 2019byBÖHLAUVERLAGGMBH&CO.KG,WIENKÖLNWEIMAR 210 HERRSCHAFT UND UNTERTAN rüberhinausgabesregionaleUnterschiede.ImZugederjosephinischenReformensollte durch eine Katastralvermessung für alle ertragsfähigen Grundstücke Einheitlichkeit ge- schaffen werden, wobei die Ausmessung durch ortsansässige Richter und Geschworene unterMitwirkungderBesitzererfolgensollte.DieneueRegulierungsaheineallgemeine, gleiche Besteuerung nach einheitlichem Satz unabhängig von Stand und Rang vor. Als Basis dienten Fläche und Güte des Grundes, woraus ein Bruttoertrag ermittelt wurde. DieRegelung,diedurchdaskaiserlichePatentvon20.April1785angeordnetwurdeund mit 1. November 1789 in Kraft trat, stieß vor allem bei Adel und Geistlichkeit auf harte Kritik.71 Für die Bauern sahen die Reformen nicht nur eine Einschränkung der Steuern und Robotleistungen vor, sondern auch rechtliche Besserstellungen sowie die Aufhe- bung der Leibeigenschaft (wenngleich diese auch in der Geschichtsschreibung teils als Pro-forma-Bestimmung abgetan wird). Dennoch aber zeigte sich auch unter den Bau- ern Widerstand, denn der Bruttoertrag als Berechnungsgrundlage wurde als ungerecht empfunden, da die teils stark schwankenden Erträge naturgemäß zu Ungleichmäßig- keiten führen mussten. Aufgrund der starken Widerstände hob Leopold II. 1790 die Regulierungwiederauf.72 Die zwei Lieder zu dieser Thematik aus dem Jahr 179073 sind einem Bauern aus dem Innviertel (das erst seit 1779 zu Oberösterreich gehörte) in den Mund gelegt, un- terscheiden sich allerdings vom Tenor her. Loss, Liebä vödä, und las dä was sagn zeigt einenBauern,derdemenormenAufwandvonMessungundDatenaufnahmeskeptisch gegenübersteht und verärgert ist, zur Mithilfe als Geschworener genötigt zu sein. Erst die letzten beiden Strophen stellen den Maßnahmen letztlich ein positives Urteil aus.74 Sehr viel propagandistischer als – teils expliziter, teils suggestiver – Appell zur Würdi- 71 Zumal diese von weiteren anderen Reformpunkten betroffen waren wie Klosteraufhebungen, staatlichen EingriffeninkirchlicheInstitutionen,derVerstaatlichungderPriesterausbildung,neuenAuflagenfürGot- tesdienste und Begräbnisse und anderen Maßnahmen, die den Klerus anbelangten sowie einer Beschnei- dung der Privilegien des Adels wie etwa die Abschaffung von Sondergerichten oder anderer rechtlicher Vorteile. 72 Vgl. etwa u.a. Werner Drobesch: Bodenerfassung und Bodenbewertung als Teil einer Staatsmodernisie- rung. Theresianische Steuerrekti kation, Josephinischer Kataster und Franziszeischer Kataster. In: Reto Furter/Anne-Lise Head-König/Luigi Lorenzetti (Hg.): Les migrations de retour. Rückwanderungen. Zü- rich: Chronos 2009. (Geschichte der Alpen/Histoire des Alpes/Storia delle Alpi 14) S.165– 183, hier 165– 169.– GerdaLettner:DasSpannungsfeldzwischenAufklärungundAbsolutismus.DieÄraKaunitz(1749– 1794).Göttingen:Vandenhoeck&Ruprecht2016.(ForschungenzurKirchen-undDogmengeschichte105) S.128ff. 73 Dies ergibt sich aus dem knappen Rahmen, in dem die Regelung gültig war: von 1. November 1789 bis zur Revision am 1. Mai 1790. Verknüpft man dies mit Referenzen aus den Texten, lässt sich ein relativ genauer Entstehungszeitpunkt eruieren. Zum einen berichtet der Bauer im zweiten Vers des ersten Lieds, dass die Vorgänge „ seyd fert“ (also seit vergangenem Jahr) im Gang seien, vgl. Willibald Ernst: Innviert- ler Spuren im sogenannten Stubenberger Gesängerbuch. In: Der Bundschuh 11 (2008), S.27– 43, hier 33. Zum anderen sind die Werbung für die Maßnahmen und der Aufruf zur fallweise gefragten Kooperation nur während der Zeit, in der die Regulierung noch gültig war, denkbar und sinnvoll. Ernst macht darüber hinaus auf Strophe 20 aufmerksam. Hier sinniert der Bauer darüber, ob er im Zuge der Ausmessungsar- beiten vielleicht noch „ von Paeyerland bis Pelgräd und weidä hinab“ (Bayerische Staatsbibliothek, Cod. germ.7340, Teil2, S.71)komme, wasebenfalls Hinweiseauf diezeitliche Einordnunggibt, daBelgrad am 8.Oktober1789vonderhabsburgischenArmeeerobertwurde. 74 Vgl. Loss, Liebä vödä, und las dä was sagn, Str.23 u. 24 (Bayerische Staatsbibliothek, Cod. germ. 7340 (StubenbergerGesängerbuch),Teil2,S.70.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Titel
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Untertitel
Eine andere Literaturgeschichte
Autoren
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
652
Schlagwörter
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Kategorien
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800