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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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BRÜCHIGE ORDNUNG: PROTEST- UND REVOLUTIONSGESÄNGE/WILDSCHÜTZEN- UND RÄUBERLIEDER 221 dere Af nität sowohl zu dialektalen Formen als auch zur musikalischen Gestaltung als Trägermedium nahe. Es ist demnach nicht überaschend, dass nicht wenige der erhalte- nen herrschaftsunterminierenden Texte Mundartlieder sind, die sich üblicherweise nur handschriftlicherhaltenhaben. Nur aus einer Abschrift für die berühmte ‚ Sonnleithner-Sammlung` des ‚ Volksge- sangs in den österreichischen Ländern` sind uns die aufmüp gen Verse des Thomas Hirschbichler, Bauer am Millinggut in Leogang, bekannt, die er etwa in den 1760er Jahren verfasste.97 Als einer der wenigen Dialektautoren aus der bildungsfernen Un- terschicht, der uns namentlich bekannt ist, überrascht Hirschbichler mit recht unver- hohlener Herrschaftskritik, die er allerdings geschickt in eine Kartenspielmetaphorik verpackt. Indem er die einzelnen Abbildungen auf den Karten vom ‚ Sechser` bis zur ‚ Sau` (dem As) bespricht, erlaubt er sich bissige Anmerkungen u.a. gegen König (wohl Joseph II.) und Kaiserin Maria Theresia, die in gedruckter Form sicherlich keine Zen- surstellepassierthätten.EinAufrufzumWiderstand ndetsichnochnicht;dochmacht der Schlussvers klar, dass das Volk selbst Schuld an seiner Lage trägt, da es nichts gegen dieUnterdrückungunternimmt. 1 Gottgrüßenkbeysammen, ihrHerrnundihrFraun! Erlaubtmireinwenig,dieKartzudurchschaun: DerSechser,derSiebner,die senddummeLeut, sömögnt iehnnixgwingaalswasmaiehngeit. 2 DerAchterundNeuner– versteh idieGmain: DerZehnermußKreutz tragn,dieHerrnhabntkains. Seind23Augen– ihabsschondurchschaut: Der langrockátUnterstichtsallsmitainAug. 3 AftkommthaltderOber– ágnädigerHerr, hataufáPárockáundgilt schonvielmehr. ErgreiftumdieLappenundbhalt sGeldalloan, ergeitnixdemKönigundstrigeltdieGmoan. 4 OftmanicherBauerwárgscheideralsdHerrn, hatá lichteAugenundsiehts rechtvonFern; mußdaugenzuedrucken,darf sagenkainWort– siewerdenverworfenwiedieblindeKart. 5 AftkommtdennderKönig– derhöchste imLand, wannernitdasSpielgwinnt, sowärs iehmáSchand. Undhamts iehmkoangworfen, sosticht ihnschondSau: Ja, ja, á sogehts– giltoftmehrerdieFrau. 97 Der Einsender vermerkt 1819, es soll „ vor 50– 60 Jahren gedichtet worden seyn“ (zitiert nach der Abbil- dung in Gerlinde Haid/Thomas Hochradner: Volksmusik in Salzburg. Lieder und Tänze um 1800 aus der Sonnleithner-Sammlung der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien mit einem Beitrag von Sabine Veits-Falk und Alfred Stefan Weiß und unter Mitarbeit von Walter Deutsch und Annemarie Gschwant- ler. Hg. vom Salzburger Volksliedwerk. Wien/Köln/Weimar: Böhlau 2000. (Corpus Musicae Popularis Austriacae 12) S.218; der dort im biographischen Teil präsentierte Thomas Hirschbichler kann also nicht identischseinmitdemAutor).
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Titel
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Untertitel
Eine andere Literaturgeschichte
Autoren
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
652
Schlagwörter
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800