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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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OpenAccess © 2019byBÖHLAUVERLAGGMBH&CO.KG,WIENKÖLNWEIMAR 240 HERRSCHAFT UND UNTERTAN Ist diese Lustspiel gur die Er ndung eines kreativen Augustiners, so ist das Treiben unddramatischeEndedeswohlberühmtestenWilderersdes18.Jahrhunderts,des ‚ Bay- rischenHiasl`,vielfachhistorischbelegtunddientealsVorlagefüreineReihedialektaler Lieder.Matthias(Matthäus)Klostermayr,1736inderNähevonAugsburggeboren,trieb bis1771alsWildererundRäuberindenWäldernderbayerisch-schwäbisch-österreichi- schen Grenzregion sein Unwesen, ehe er mit seiner Bande, die sich in einem Wirtshaus verschanzt hatte, gefangen genommen und schließlich in Dillingen hingerichtet wurde. BeiderLandbevölkerunggenosserhohesAnsehen– nichtnur,daerdievondenBauern beklagte Wildplage bekämpfte, sondern auch wegen seiner Mildtätigkeit gegenüber Ar- men.AllerdingswarenerundseineGefährtenauchfüreineReihebrutalerVerbrechen, darunter neun Morde, verantwortlich.140 Schon zu Lebzeiten rankte sich eine Vielzahl an Legenden um seine Person und allein in den zwei Jahrzehnten nach seinem Tod er- schienen vier Biographien. Daneben setzte eine breite literarische Rezeption ein, mit lyrischen,epischenunddramatischenBearbeitungen.141 Zwarwurdeer, imUnterschied zu anderen populären Räubergestalten, nicht Gegenstand der ‚ hohen Literatur`; dafür aber wurde der Stoff umso mehr in der populären Literatur vor allem des bayerisch-ös- terreichischenRaumsbearbeitet (Frenzelnenntetwa20epischeBehandlungenundfast 30 Volksliedfassungen bis ins 20. Jahrhundert).142 Die stark typisierte ‚ Hiasl`-Figur in diesen Bearbeitungen hat mit der historischen Persönlichkeit nur mehr wenig gemein. Auch in volkskundlichen oder historischen Darstellungen wurde und wird in ihm bis heute– jenachZeitgeist,politischerEinstellungundDarstellungskontext– etwasande- resgesehen.143 DaswohlbekanntesteLiedausdiesemThemenkreismussinderfolgendenFassung– wie sich aus der Angabe des Druckers erschließen lässt – vor 1772 erschienen sein. Das Liedende macht 1771 als Entstehungszeitpunkt wahrscheinlich, also die Zeit nach der Verhaftung des Matthias Klostermayr; vielleicht aber zirkulierte der vordere Teil schon in den Jahren davor eigenständig, bevor die jüngsten Ereignisse eingearbeitet wurden. Mehrmals wird im Text auf den Mythos angespielt, dass der Bayrische Hiasl angeblich 140 Vgl. Karl, Sozialrebellen, S.16– 22. – Waldemar Nowey: Der Bayrische Hiasl als heimatgeschichtliche, volkstümliche und literarische Gestalt. Ein Signal seiner Zeit – ein Signum unserer Heimat? 3.Au . Kis- sing: Selbstverlag Gemeinde Kissing 2003, S.14– 31. – Paul Ernst Rattelmüller: Matthäus Klostermaier vulgoDerBayrischeHiasl.München:Bruckmann1971. 141 Vgl.Nowey,DerBayrischeHiasl, S.18und55ff. 142 Vgl. Elisabeth Frenzel: Stoffe der Weltliteratur. Ein Lexikon dichtungsgeschichtlicher Längsschnitte. 9., überarb. u. erw. Au . Stuttgart: Kröner 1998 (Kröners Taschenausgabe 300), S.336. Diese Verbreitung ist natürlichauchinVerbindungzusetzenmitderPopularisierungvonRäuber gurendurch‚ Trivialliteratur` und populäre Lesestoffe, die spätestens Ende des 18. Jahrhunderts mit Bestsellern wie Heinrich Zschok- kes Abällino, der große Bandit (1793, 1795 als Drama) und Christian August Vulpius' Rinaldo Rinaldini, derRäuberhauptmann(1799)einsetzte,vgl.InesKöhler-Zülch/ChristineShojaeiKawan:Räuber,Räuber- geschichten. In: Rolf Wilhelm Brednich [u.a.] (Hg.): Enzyklopädie des Märchens. Handwörterbuch zur historischen und vergleichenden Erzählforschung. Band 11: Prüfung – Schimäremärchen. Berlin/New York:deGruyter2004,Sp.307– 323,hier311. 143 So etwa Zack/Gerambs ‚ bajuwarisch-germanisches Heldenideal` (vgl. Viktor Zack/Viktor von Geramb: DieLiedervomboarischenHiaslinDeutschösterreich.In:BayerischeHeftefürVolkskunde6(1919),S.1– 34),Noweys ‚ schuldiggewordenesIndividuum`(vgl.Nowey,DerBayrischeHiasl)oderKarls ‚ Sozialrebell undKämpfer fürGerechtigkeit` (Karl, Sozialrebellen).
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Titel
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Untertitel
Eine andere Literaturgeschichte
Autoren
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
652
Schlagwörter
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Kategorien
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800