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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
Seite - 259 -
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INSZENIERUNGEN DES BAUERNLEBENS 259 undGlaubwürdigkeitnachgezeichnetist.LiederwieIkannmäsunmiglänötdenkä,Mein Endlhats längstprophizeitoderIwaisnötwasmärjezundhabm faszinierenmitderBild- lichkeit ihrer Detailbeobachtungen, die den Bauernalltag ohne jegliche Idealisierung, dochmitAnteilnahmevorführen. In engem Zusammenhang mit seinen frühen Bauernklagen aus den 1750er Jahren steht Lindemayrs Hänts Baurn, wer hets glaubt vor fufzg Jahrn, das gut ein Vierteljahr- hundertspäterentstandundzunächstimTondesäußerstpopulärenIkannmäsunmiglä nöt denkä gesungen werden sollte (wohl erst nach dem Tod des Autors entstanden zwei eigenständige Vertonungen). Diese musikalische Aktualisierung legt auch den inhaltli- chen Vergleich nahe: Tatsächlich hatten sich die Lebensbedingungen des Bauernstands von der Jahrhundertmitte bis zur Entstehungszeit des Lieds um 1776/77 merklich ge- wandelt,nicht immeraberzumBesseren.ZwarhattendiemerkantilistischenReformen dieAusbeutungdurchdieGrundherrschaftgemindertundbesseresozialeBedingungen geschaffen. Doch mit den neuen Erfassungsmethoden in Folge der ‚ Seelenkonskription` waren die Bauern nun dem landesfürstlichen Zugriff direkter ausgesetzt; die erwachse- nen Söhne waren für den Militärdienst verfügbar, die Dienstbotenkinder konnten zum Schulbesuch verp ichtet werden. Dazu untergrub die neue Flut an Verordnungen die von staatlicher Seite oft beschworene Freiheit und Eigenständigkeit des Bauern. Wirt- schaftlich gesehen war in und nach den Hungerjahren zu Beginn der 1770er Jahre mit GetreidekurzfristigerheblicherGewinnzuerzielen.DochführtendieWärmeperiodeab 1771,die intensivierteAgrarwirtschaft inFriedenszeitenunddiebesserenProduktions- bedingungenindenFolgejahrenzuÜberangebotunddramatischemPreisverfall.Land- wirtschaftliche Erzeugnisse trugen kaum noch etwas ein und der Holzverkauf wurde durchstaatlicheVerfügungenerschwert.DazukamennochdieüberzogenenForderun- genundBetrügereienderMitbürger,die inihremHandwerkdenjeweiligenVorurteilen gerecht werden: Müller und Bäcker prellen den Bauern um sein Korn, die Störarbeiter um Tuch, Leder und Arbeitszeit und die Gastwirte lassen sich ihre Dienste viel zu hoch bezahlen. 1 HäntsBaurn,werhetsglaubtvor fufzgJahrn, Däßainmalumunswurdsoschlecht MähetaingradsghaissenainNarren Iztglaubmmä'shaltdienäwohlrecht. BeimAusgabnkannkainermehrkleckä DenndStoiernwernalli Jahrmehr Mäkannnötgnuegöbm,undgnueströkä HaistalliweilBaurgiebnurher. 2 Döswärdientnoalls zumVäwehä ÄZeit ließsichsTraid thoirhingebm Izt fahltunsdösäschonaufd'Zeha 'sGeldwasmäschätzt, laßt si leichthöbm. HabnächstäFuhrTraidmitvierRappen Schönmächti inWochämarktgführt Habgmaint iwillheuftidätappen IhabskauminHosensackgspürt. 3 MeinWeib laßt siänimmäblickä IndStadtwills iztgarnixmehr tragn Ös laßtsiä 'sMarktmenschnötschickä ös ließsiehhalbnthaildäschlagn; Znächsthat ihrdäSchörgaufdäBrucken InBuedä,und 'sSchmalzallsgradsweg DrinfahltdHöpinniedä inRucken SchmeißtdAirumzweenGuldä inDrök. 4 IhetäHolz,wurdenschönScheiter Unddientderf igleiwohlkainsschlagn Imueßerst inkünftingäFreidä InTanzepfenP ögädrumfragn. Sogehtsain,bei seinaignäSächel HatainäränP fferlingGwalt IztdruktainärozigäKlächel So langbisains 'sLebnnimmägfahlt.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Titel
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Untertitel
Eine andere Literaturgeschichte
Autoren
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
652
Schlagwörter
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800