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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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INSZENIERUNGEN DES BAUERNLEBENS 261 zurHälfte3,5Znächst]kürzlich,unlängstSchörg]Scherge,Gerichtsdiener3,7Höpin]Erdkröte,auchverächt- liche Bezeichnung für Frauen 4,4 Tanzepfen P ögä] (scherzhaft für) Förster, Waldheger 4,5 Sächel] Besitz, Hab und Gut 4,7 Klächel] (eig. Klöppel) schwerfälliger Mensch 5,5 Schraden] Substantivierung zu schroten: grob mahlen, zerkleinern 5,7 graden] (hier:) gelingen, glücken 5,8 vämahln] ‚ vermahlen`, beim Mahlen ver- loren gehen 6,1 vädändeln] vertandeln: verkaufen, ein Handel abschließen 6,2 umädum] um und um, rings herum Gei] Land (im Gegensatz zur Stadtgegend), Umland eines Dorfes 6,6 gfratschelt] fratscheln: insistie- rendfragen,zureden6,7Leutkäf]Leitkauf:Anzahlungbzw.auchdergemeinsameTrunkzumAbschlusseines Handels 7,2 grads ... zöhätmal nöt] gelingt es nur selten 7,3 Bök] Bäcker 7,4 Waiz] Weizen 7,5 beidn] war- ten,zuwarten; ‚ aufsBeiden,Beiten`:aufdieBezahlungwarten,beispätererBezahlung7,6Mezen]Pl.zuMetze: altesHohlmaßfürGetreide, inÖsterreich61,478Liter7,8meinAid]beimeinemEid!8,4raithn](hier:)rech- nen,zusammenzählen8,5Hoisl]KurzformfürMatthäus8,7Bladä]Blase,Geldbeutel8,8gschnürt]schnüren: prellen,einendurchListumseinGeldbringen9,2Steer] tageweiseArbeitumLohnundKosteines(zuweilen ungelernten) Handwerkers 9,6 Aft] dann, danach öpäs] etwas 10,4 Mensch] Mädchen 10,7 Taubä] Täuber, Täuberich 10,8 ös] sie (hier: Personalpron. der 3. Pers. Pl.) 11,1 Heusä bschreibn] Hausnummerierung und Seelenkonskription1770– 177211,4Toixel]Teufel11,5hausen]wirtschaften,Wirtschaftführen11,6Ränd]Pl. zu Rand: ausgefallene Idee, mutwilliger Streich, lautstarker Spaß 11,8 Schlänkeln] Schlänkel: Schlingel, jun- ger Mann ohne Verp ichtungen 13,2 Wechseln] Wechsel des Dienstverhältnisses, üblicherweise am Maria- Lichtmess-Tag (2. Februar) 13,7 Einstehn] Dienstantritt, Aufnahme eines Dienstverhältnisses aufschreibn ... lassen] gemeint ist die amtliche Personenerfassung in Folge der ‚ Seelenkonskription` 1771/72 13,8 Kruckerl] Krüppel,Behinderter14,3 Dölötzä]die schlimmste, schlechteste Das zukunftspessimistische Fazit von Lindemayrs Lied bestätigt sich indirekt in der anhaltenden Beliebtheit des Genres in den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts; nicht nur die bewährten Lieder wurden weitertradiert und verbreitet, auch zahlreiche neue Beispiele entstanden, wie das vor allem in Österreich breit gestreute Mog ich ka Baur nimmer bleiben, das von Lindemayr inspirierte Wer hats ghert vor hundert Jah- ren, das von Franz Xaver Gruber für die Sonnleithnersammlung eingesandte Nä, nä, i kann mi nimmer verstehen aus der Feder eines Flachgauer Sternsängers oder auch Mi- chael Stockhamers Lieber Schwager, hast kein Kummer, eine ironische „ Klage zweyer Zehendmayrn“ , die nach dem kaiserlich angeordneten Verlust ihrer Privilegien „ wie andreBaurn“ 19 mühsamzuarbeitenundkümmerlichzu lebenhatten. Nicht lange nach den ersten dialektalen Bauernklagen begegnen uns auch erste dia- lektaleLobeshymnenaufdasländlicheLeben,dieseinepositivenSeitenherausstreichen. Der Verdacht liegt nahe, dass es sich hier – wie freilich auch bei den meisten Lamen- tos– nichtumDichtungenausderBauernschichtselbsthandelt, sondernumVersuche, über die Aufwertung des Standesbewusstseins den sozialen Frieden zu sichern. Ein Teil dieser laudationesagriculturaebedientsichderTopoibukolischerDichtunginderIdea- lisierung des Landlebens, andere argumentieren mit der Ehrwürdigkeit des Stands als ältester Beruf und der moralischen Überlegenheit bodenständiger Arbeit, etliche strei- chen die Vorzüge im Kontrast zu den Nachteilen anderer Berufe oder Lebensumfelder heraus. Aus ins Dienstbotenumfeld transponierten arkadischen Elementen, Tanzliedmoti- ven, Werbeliedkomponenten, erotischen Anspielungen etc. ist das folgende, außerge- wöhnlich frühe Almenlied All ihr Buebmä treibts zusambä (1703) gestaltet, das in derb- realistischen Tönen die schöneren Seiten des Hüteralltags vorstellt. Mit dem romanti- schen Naturgenuss in der Freiheit der Berge, mit Musik, Tanz und Liebeleien zwischen 19 Zitiert nach Hans Commenda: P. Wilhelm Paillers Liednachlaß. In: Jahrbuch des österreichischen Volks- liedwerkes13(1964),S.45– 54,hier53f.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Titel
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Untertitel
Eine andere Literaturgeschichte
Autoren
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
652
Schlagwörter
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Kategorien
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800