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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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OpenAccess © 2019byBÖHLAUVERLAGGMBH&CO.KG,WIENKÖLNWEIMAR 264 LAND- UND STADTLEBEN das bäuerliche Ich als intellektuell und moralisch überlegen fühlt. Zudem werde den emporkömmlerischen ‚ Herren` die Ausbeutung des Bauernstands nach dem Tod zum Verhängnis: 12 Stöcktoft indäJoppendrin, waßdHerrnhamtkäminSinn, ich lachmämeinWampenvoll, wanni:dHerrnbetroigenkanndoll. 14 LaßmichschindtenbisäfsBain, fahr inHimmelnosorain, meiniHerrn,däBaurn-Schwaiß machtenkaufdäNachfahrthaiß.22 12,1 Joppen] einfache Bauernjacke 12,2 hamt käm] haben kaum 14,4 enk] euch Nachfahrt] Aufnahme der Seele imHimmel Vor allem die irdischen positiven Aspekte stehen im mehrfach überlieferten Juhe! wie lusti iß nöt auf der Baier im Zentrum, das wohl in den 1780er oder 1790er Jahren im oberösterreichischen Raum entstand, wie sich nicht nur aus der Überlieferungs- situation, sondern auch aus dem einen oder anderen Hinweis auf josephinische bzw. postjosephinische Reformen vermuten lässt (vgl. etwa 5,5). Zwar werden aus der n- gierten Perspektive eines Bauernknechts neben den Vorteilen wie dem reichhaltigen Essen oder dem Arbeiten in der Natur auch Nachteile und Schwierigkeiten, insbeson- derediephysischeAnstrengung,angesprochen.DieSchlussfolgerungdesSängersbleibt aber, dass er nichts wolle als Knecht bleiben – das „ Herrnlöbn“ würde ihm gar nicht gefallen. Möglicherweise ist dieses demonstrative Festhalten an der gegebenen hierar- chischen Gesellschaftsordnung als Reaktion auf die Französische Revolution mit ihren ForderungennachGleichheitundBrüderlichkeit zusehen.23 1 Juhe!wie lusti ißnötaufderBaier, imöchtkainGrafundkeinStadtherrnötseyn; inallerFrühschondafressenmaaSeya, kimmtderMittag, sogiebtsSchobernundBrein, aftumadreyumikimmtwidad'Jausen, aft setzenmäunswidazamazumTisch, fressenbisdaßmäthunkeichäundpfnausen, undasosamahübschrebiundfrisch. 2 Indafrüh,wannunsäHaushannthutkrähn, aftwirimuntäundgametzamal, thu imiranzen,hübschgütlaumdrahn, bis ihörd'Ochsenundd'KüehschreynimStall; aftwanniaufsteh, so thuimig'sönga, daßmäkainHexundkeinG'spenstelnit schadt, unddaßmaakannkainTrudnötbegegna, imagaftausgehnfrühodäspat. 22 OberösterreichischesVolksliedwerk,HL379a, f.5r.Erstediert inChristianNeuhuber:„ MeinGott,warum hast das Rabm Vieh erschafen ...“ Lindemayriana et al. in den Liederhandschriften HL 379a und HL 379b des Oberösterreichischen Volksliedwerks. In: Streifzüge 2. Beiträge zur oberösterreichischen Musik- geschichte. Hg. vom Oberösterreichischen Volksliedwerk/Volksliedarchiv durch Klaus Petermayr. Linz: Oö.Volksliedwerk2011,S.109– 124,hier113f. 23 Vgl.Klier,Linz imLiede.Nachträge,S.363.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Titel
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Untertitel
Eine andere Literaturgeschichte
Autoren
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
652
Schlagwörter
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800