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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
Seite - 278 -
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OpenAccess © 2019byBÖHLAUVERLAGGMBH&CO.KG,WIENKÖLNWEIMAR 278 LAND- UND STADTLEBEN ist, so ainer dem Andern auß Zorn in den barth greifft; soll er dem belaidigten zur Straff 6. dallererlegen;ErhateuchJaaußZornindenbarthgriffen? Wästl. Ja ichwoltsmain,weill ermichgschlagnhat,vndhatäsöltesgrausambstürmischgsicht gegnmirgmacht. Riepel. höbäPaurmitdendoctorenan.vndwansoll ichsgebm? Doctor. Wan ihr ihms Morgen vmb dise Stundt nit erlegt werd haben, so seith ihr vermög der Rechten,12.dallerverfallen. Riepel. daß Gott erbarm! wo wirdt ich 6. daller Nemmen? heitt ichs Keibel in GottsNamb gehn lassen. Wästl. gehehinSchleckhbärtl [...]45 Keibel]Kalbheider]kurzfür:Bärenhäuter(Schimpfwort)Pinckhl]hier:RückenKroissen]Krebsevorschmä- zen] vorschwätzen Partus Sequitur Uentrem] (lat.) das Neugeborene folgt der Mutter blazt] geschlagen, unsanft gegriffen qui sentit Commodum; sentiat et onus] (lat.) wer die Vorteile genießt, soll auch die Nach- teile tragen türmisch]wild, zornig höbäPaur] fangeeinBauer Schleckhbärtl]kindlicherSpottruf Prügeleien sind ohnedies eines der Lieblingsthemen des barocken Bauernspotts. Eine äußerst anschauliche Szene bringt Des Paurn Mündtliche provocation für seinen P eger wider deß Gerichtschreibers gegebnen Abschidt, das in genetischer Nähe zu Daß Paurn werch ist nichts mehr werth steht. Es ist ein Prosamonolog, in dem einer der vom Ge- richtsschreiber verurteilten Raufbolde seine verquere Sicht der Dinge in einer Weise schildert, die beim damaligen Publikum den Lacherfolg garantierte, dem heutigen Le- ser zudem aber bei aller satirischen Verzerrung interessante Einblicke in die bäuerliche Geselligkeitskultur gibt. Die Mündtliche provocation ist uns in zwei bereits angespro- chenen Quellen überliefert. Die folgende Fassung entstammt wieder dem Codex mit Weihnachtsspielen der Staatsbibliothek zu Berlin46 und ist eine für die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts überraschend kompromisslose, standardferne Literarisierung ei- neswestmittelbairischenDialekts,dermitseinenVokalisierungen,Assimilierungenund Verschleifungen,mitApokopenundSynkopen,mitderberLexikundIdiomatikwesent- lich authentischer wiedergegeben ist als in zeitgleichen Werken der Mundartdichtung. So mündlichkeitsnah ist der Scherzmonolog gestaltet, dass offenbar schon die Kopisten dieser wohl im heutigen Innviertel entstandenen Dichtung ihre liebe Mühe hatten und Unverständlichesersetztenoder tilgten: 45 Ebda.,S.93– 95. 46 Staatsbibliothek zu Berlin, Ms.germ.qu. 1327, f. 114r– 117r. Erstediert wurde das Werk allerdings aus der Handschrift des niederbayerischen P egerichters Andreas Mayr (Universitätsbibliothek Tübingen, Md 290), vgl. Rowley, „ Erste Paurn Clag“ und „ ander Paurn Clag“ , S.38– 40 und noch einmal (in der- selbenFassung)beiRowley, ‚ WaßsyzLanzetzuehat tragn`,S.26f.KeinederbeidenFassungenscheintdas Original zu sein; etliche sinnentstellende Abschreib- und wohl auch Verständnisfehler in beiden Texten sprechen dagegen. So muss auch Rowleys Einschätzung, das Werk sei in der Landshuter Gegend entstan- den, noch einmal überdacht werden – zumal die Ortsangaben in den nachgetragenen Texten wohl eher ins(damalsnochbayerische)Innviertelverweisen.HagersVermutung,derVerfasserderHandschrift,An- dreas Mayr, habe hier einen Einblick in seinen Berufsalltag gegeben, wird sich wohl kaum veri zieren lassen, vgl. Stephan Hager: „ Mießig sein ist nit mein Freud“ . Beamtenethos und Poesie im Werk des nie- derbayerischen P egrichters Andreas Mayr im Kontext des oberdeutschen Literatursystems der frühen Neuzeit. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern 127– 128 (2001– 2002), S.51– 210, hierS.171.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Titel
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Untertitel
Eine andere Literaturgeschichte
Autoren
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
652
Schlagwörter
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800