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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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OpenAccess © 2019byBÖHLAUVERLAGGMBH&CO.KG,WIENKÖLNWEIMAR 282 LAND- UND STADTLEBEN telDieDuxerMössverbreitetet;52 deutlicheParallelen(zugleichaberebensowesentliche Unterschiede – v.a. in Struktur und Anordnung) zeigt auch das in der Ebermannstäd- ter Liederhandschrift enthaltene Lied Votta! Lass dir wunder sag'n, was sich nächst hat zugetrag'n (1750).53 Eine interessante Variation stellt Der Aufmercksam-alles wohl betrachtend- Und red- lich-erzehlende Saltzburger-Baur dar, das die Schilderung eines feierlichen Hochamts in der Domkirche liefert. Die Themenfelder dieses wohl 1751 entstandenen Werks54 sind dieselben wie beim älteren Vorbild und ebenso typisch sind der wiederholte Aus- druck großer Verwunderung und die humoristischen Effekte durch die bäuerliche Dik- tion. Diese ist nicht nur durch Dialekt gekennzeichnet, sondern auch durch mangelnde Kenntnis der gebräuchlichen Bezeichnungen, insbesondere in Hinblick auf die sakrale Umgebung. So bemerkt der mit der Butte in die Landeshauptstadt reisende Sprecher etwa zum prächtigen Deckenfresko Donato Mascagnis und Ignazio Solaris in zwar be- wunderndem, doch der Würde des Gegenstands kaum angemessenem Ton: „ Gantz obn an da Dilla hotsma machti wohl gfollen, Send Manndl und ollahond Gfraß oni gmoh- len“ (7,1f.). Auch ein Verständnis für die Ernsthaftigkeit, die der sakralen Atmosphäre angemessenwäre,zeigtderBauernichtundwundertsichüberdieernstenGesichter im Geleit des Erzbischofs: „ Leicht übä 20. Manna mit Spitz doher gehn, Sie mochten a so ernsthaffti durmische Fressen, Als hätten sie s'Lachen auf uamahl vergessen“ (10,2ff.). DasunterhaltendeMomentverstärktsichindervomRezipienteneingefordertenRe-In- terpretation, indem die verzerrte bäuerliche Darstellung zurücktransformiert werden muss in ein dem tatsächlichen Ablauf entsprechendes Szenario. Besondere Aufmerk- samkeit wird dem bischöflichen Auftritt gewidmet, der den prächtigen Einzug seiner Untertanenkrönt: 14 GleyarschlingdokamholtanernstlicherMann, Derhat2. schneeweisseBandoffel trogenan, GiengTrittla fürTrittlabottsdochtidoher, MachtwohlmitdieFüssakoabißlakoagscher. 15 AFuchs-rothiBlochamitSchnierlavermengt, Ist ihmübersGsaßbißaufd'Füßobighengt, Ananderahat ihminneu-gwaschnaKragen, ZwoaSchritthinter seinadenSchwoaffnachi trogen. 52 Vgl.Hartmann,EinaltesniederbairischesDialektgedicht,S.229ff. 53 Staatsbibliothek Bamberg: Msc.misc. 580, S.82– 85. – Edition bei Rolf Wilhelm Brednich/Wolfgang Sup- pan (Hg.): Die Ebermannstädter Liederhandschrift geschrieben um 1750 von Frantz Melchior Freytag Schulrektor zu Ebermannstadt (Staatsbibliothek Bamberg Msc.misc. 580a). Deutsches Volksliedarchiv Freiburg. Kulmbach: Freunde der Plasseburg E.V. 1972. (Schriften für Heimatforschung und Kulturp ege inOstfranken31)S.129– 131. 54 Das im Salzburger Dialekt verfasste Lied mag früher entstanden sein, als die Jahresangabe des überliefer- tenDrucksvermutenlässt.DennesbehandelteinPonti kalamt,demderLandesfürst„ HanßErnest“ (3,2) vorsteht – also Johann Ernst Graf von Thun, der in der Zeit von 1687 bis 1709 Erzbischof von Salzburg war. Nach Hartmann könnte das Gedicht daher bereits in dessen Regierungsperiode entstanden sein (vgl. Hartmann, Ein altes niederbairisches Dialektgedicht, S.230f.; siehe auch Pörnbacher, Bayerische Biblio- thek, S.1201). Möglich ist aber auch eine bewusste Verlagerung des Geschehens in die Vergangenheit, um diespöttisch-distanzierendeBeschreibungdesBauernzuermöglichenbzw.zuentlasten.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Titel
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Untertitel
Eine andere Literaturgeschichte
Autoren
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
652
Schlagwörter
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800