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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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KOMISIERUNG UND DISKREDITIERUNG LÄNDLICHER TYPEN 289 Gut vier Jahrzehnte hat der bedeutende Wandertruppenprinzipal Elenson die regio- nalsprachlichen Grobianismen des Eintageskönigs mit Erfolg im gesamten deutschen Sprachraum zwischen Schleswig und Laibach, zwischen Aachen und Breslau zur Auf- führung gebracht. Und auch nach seinem Tod verschwand das Stück noch lange nicht vondenSpielplänen.62 1699 gab Elensons Truppe ein Gastspiel in Köln und wird dort wohl auch ihr Pa- radestück aufgeführt haben. Gut möglich, dass sich dabei der Autor des Printz von Arcadien Anregungen geholt hat. Denn auch diese hervorragende zweiteilige Komödie, die 1701 „ von denen Churfürstl. Cöllnischen / Hof-Bedienten“ vermutlich in der bi- schöflichen Residenzstadt Bonn aufgeführt wurde, verdankt ihre ungemein wirksame Verlachkomik vor allem einem als Prinz verkleideten Bauern-Rüpel, der ständig aus der Rolle fällt. Dass nicht nur er, sondern auch mehr als ein Dutzend weiterer Figu- ren des hochkomischen Hoftheaterstücks ein erstaunlich realitätsnahes und stilsicheres Westmittelbairisch wiedergeben, mag bei einer Aufführung im Rheinland verblüffen. Doch setzte sich der Hofstaat des in München geborenen Wittelsbacher Kurfürsten Jo- sephClemenszueinemGutteilausheimischenUntertanenzusammen.Derdarunterzu vermutende begabte Autor ist bedauerlicherweise nicht bekannt; es könnte der als kur- kölnischer Hofpoet bezeugte „ François Mayer“ 63 gewesen sein, zu dem derzeit nichts Näheres bekannt ist. Zu bedauern ist zudem, dass sich nur der erste Teil der Doppel- komödie (Das unerwarte Vnglück) erhalten hat;64 aus einem ausführlichen, in Bonn gedrucktenSzenarsindwirallerdingsauchüberdenzweitenTeil(DasunerwarteGlück) informiert.65 Als dem aufgrund einer Prophezeiung von frühester Jugend an in einen Turm ge- sperrtenPrinzenAmynthasmitderHilfeeinesBauernehepaarsdieFluchtgelingt, sucht seinHofmeisterCrysippusverzweifeltnachErsatz,umihndemebeneingetroffenenKö- nigAridenuszupräsentieren.SowirdkurzerhandderBauernsohnPeterMätzpichler in herrschaftlicheKleidergesteckt: Aridenus. Ich umbfange dich liebster Sohn, undt schlüesße Jenen in meine Königliche Armb, vm wesßentwillen Ich so Vill nächt Kein aug geschlosßen, Ja, vill Taußent der Thrännen ver- gosßenhabe. Prinz. HaDankhVada,EßfreytmimeioadtvoHerzen— na— eßißmaLoadt— imueßgwiß awoanaHerrHoffmoasta,wendaKiniwoant? Crysippus. (duStock sch)Ichglaube,dasKindlicheHertzwerdeEurDurchleüchtweichgenug werden,wanSieanderstdiegrosßeLiebeIhresKöniglichenHerrnVattersbehertzigenwollen. Prinz. nit a Breßl Herr Hoffmoasta, gangs ma zherzen, wens nit sein müst, i wolt koan Zaicha vagiesßn.Dowalß jeseinmueߗ 62 ZurRezeptiondesStücksvgl.ChristianNeuhuber:ybiamätroyingrassenNöthen.ZurkritischenEdition einesParadestücksdesWandertheaters. In: editio31(2017),S.59– 78. 63 Renate Brockpähler: Handbuch zur Geschichte der Barockoper in Deutschland. Emsdetten: Lechte 1964, S.81. 64 Vgl. Bayerische Staatsbibliothek, Cod. germ. 3168. Ediert von Oskar Brenner: Altbairische Sprachproben aus dem 18. Jahrhundert. In: Oskar Brenner/August Hartmann (Hg.): Bayerns Mundarten. Beiträge zur Deutschen Sprach- und Volkskunde. Bd.1. München: Kaiser 1892, S.128– 145, 203– 222, 336– 361 sowie ebda.,Bd.2(1895),S.60– 73,161– 181. 65 Vgl. ebda.,S.177– 181.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Titel
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Untertitel
Eine andere Literaturgeschichte
Autoren
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
652
Schlagwörter
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800