Seite - 294 - in Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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294 LAND- UND STADTLEBEN
(nicht selten fehlerhafte) lateinische Floskeln in seine Rede flicht, des Flachgauer Ba-
sisdialektsderbäuerlichenProtagonisten,desHochdeutschenderHöherstehendenund
des makkaronischen
Welschelns` des schlauen italienischen Bedienten Bartolino. Nicht
zufällig endet das Stück mit einem Chor, der die letztgenannten drei Varietäten noch
einmalmusikalischgegenüberstellt:
H.A.P. DiseseyndbeglückteStunden,
S.Gr.H. DössanrechtböglückteStundn,
Bartol. DösanregbeglückeSdunden,
H.A.P. Woein jederhatgefunden,
S.Gr.H. Wojetzhotaniedagfunden,
Bartol. Woderatein jeder funden.
H.A.P. Wasersichgewunschenhat.
S.Gr.H. Wosa longsigwunschnhat.
Bartol. Wasdersogewunsenat. [...]70
Seinen wirkungsmächtigsten Nachfolger fand Weiser in Maurus Lindemayr, der wäh-
rend seines Studiums die Hochblüte des dialektalen Intermediums auf den Salzburger
Bühnen miterlebte und so wie andere Ordensbrüder aus verschiedenen österreichi-
schenundbayerischenKlöstern sichzueigenenlyrischenunddramatischenArbeiten
inspirieren ließ. In direktem Zusammenhang mit Weisers Schaffen ist etwa sein Lied
FerteninHörist zusehen, indemeinBauerseinenwunderlichenKönigs-Traumrekapi-
tuliert,wobeidaseineoderandereDetailnochweiter insDrastisch-Komischegetrieben
wird:
3
GradsnöbndäBöttstatthibschuntenbeymFüssen,
HaniäsilberniKändldäblickt
Hollä!gedacht imeinLustwill ibüssen,
HatmädäHimmelzumtrinkäwasgschickt.
HetumäRoßgwöttäswärAschauä
SöltäniWeindl sändanäsgagsund,
WieIhangschlungätztkämsanässtärauä
'sGschirrwäräKachel, i spiebwieäHund.71
3,2 Kändl] Kännchen 3,5 Aschauä] Aschauer Wein (aus dem Weinbaugebiet Aschach an der Donau, der im
18.Jh.aufgrundseineshohenSäuregehaltsmehrSpottalsZuspruchfand)3,6Söltäni]solche3,7gschlungätzt]
(gierig)geschluckt anässtär]anders auä]heraus3,8 Kachel]TopfausTon, (hier:)Nachttopf,Nachtgeschirr
Aber nicht nur auf den Klosterbühnen reüssierten im 18. Jahrhundert die dialektspre-
chenden bäuerlichen Figuren. Auch das professionelle, erstmals im deutschsprachigen
70 [IgnazAntonWeiser:]DieGeadelteBauren/OderDieihrselbstunbekannteAlcinde:AufGnädigstesAn-
befehlenIhroHoch-Fürstl.Gnaden,DeßHochwürdigist-Hochgebohrnen/deßHeil.Röm.ReichsFürsten
und Herrn Herrn ANDREÆ JACOBI, Ertz-Bischoffen zu Saltzburg, Legaten des H. Röm. Apostolischen
Stuhls,PrimatenvonTeutschland,AußdemHoch-Reichs-GräflichenHaußVonDietrichsteinetc.etc.Auf
Dero Hof-Theatro vorgestelt 1750. Poes. I.A. W. Mus. von Hrn Johann Ernest Eberlin, Hochfürstl. Hof-
Capell-Meister.Saltzburg,gedrucktbeyJohannJosephMayrs,Hof-undAcademischenBuchdruckersseel.
Erbin, f. 40r v.
71 Lindemayr,Dialektlieder I,S.40.
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Buch Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte"
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Eine andere Literaturgeschichte
- Titel
- Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
- Untertitel
- Eine andere Literaturgeschichte
- Autoren
- Christian Neuhuber
- Stefanie Edler
- Elisabeth Zehetner
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20630-9
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 652
- Schlagwörter
- Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen