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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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KOMISIERUNG UND DISKREDITIERUNG LÄNDLICHER TYPEN 297 Schnipp. Ja – ein saubrer gnädiger Herr – ein Bauer ist er, und heißt Kaspar Pitzel, gebürtig aus EselbankbeySteyer. Alle. inhöchsterBewunderung Was?einBauer?75 Landlerland] Land ob der Enns, das heutige Oberösterreich n'Azel] ein Bisschen, eine Kleinigkeit (hier ironisch:eineganzeMenge)ramplet]herausgeputztwillkömma]reimgeschuldeteFehlbildungGfrieser]Gri- massen kloost's] starrt ös] ihr Goschen]Maul ebba]etwa Speranzien]Sperenzien:Umstände,Mätzchen DassauchRollen,die inderDruckfassungstandardsprachlich festgehaltensind,durch- ausdialektalangelegtwarenoderwerdenkonnten,zeigtdasErfolgsstückDerBaueraus dem Gebirge in Wien (1767) von Franz von Heufeld (1731– 1795). Wie der Titel schon verrät, wird in diesem dreiaktigen Lustspiel ein naiver, aufrichtiger Bauer („ Sein Ver- stand ist durch keine Vorurtheile verderbt; er redet mit einer natürlichen Offenherzig- keit, die von seiner Freyheit zu denken zeiget.“ 76) mit dem brodelnden Großstadtalltag in der Residenzstadt konfrontiert. Obwohl die auf den alten Prehauser zugeschnittene Rolle des Hans einen Teil ihrer Komik sicherlich aus der Diskrepanz zwischen bäuri- scher und städtischer Sprache gewann, klingt dieser Aspekt im Druck allenfalls an. Auf dem Stiftstheater Kremsmünster allerdings wurde das Stück wenige Jahre später in ei- nerBearbeitungvonFratresdesHausesundbefreundeterKlösteraufgeführt– natürlich ohnedieobligateLiebeshandlung,dafürabermiteinemProtagonisten,dersichals‚ Salz- burgerBauer` sprachlichdeutlichabhebtvonseinemurbanenGastgeber: Hornschild. GutenTag,Hannß! Hannss. agutnTaggutaFreünd! Hornschild. Wasmachstdu?woraufdenckstdu? Hannss. Idenck,wanninurschonwidaweckwavonhier. Hornschild. Warum? Hannss. Das ist ia a Larm, a Getöß, daß eina möcht närrisch werdn. Die halbe Nacht hab i von Poldern,undrasselnnötschlaffnkönna. Hornschild. IngrossenStädtengehetesnichtanderstzue. Hannss. Wie das Getöß aufghört hat, hab i ain Glockn nach da andern leitn ghört, i glaubt würkli,magibts'ZeichnzuainLand-Sturm, istehauf, schaubeynFensteraussi, esrihrtsiaba kainMensch, i legmiwidanida,balddraufhörainTrappenaufdaGassn,aha!denkima, jezt treibt ma s'Vieh aus. I geh' wida zum Fensta, da sieh ich a ganze Schaar Buttn-Weiba vorbey maschieren. Hornschild. DaswarenLeutvonLand,dieEsß=WahrenzumMarcktebrachten,Siekomenfast täglichmitanbrechendenTage,dieStadtzuversehen. Hannss. AlleTag inainasolchnMenge? Hornschild. Sechsmahlsoviel, alsdusahest,durchalleThorderStadt. Hannss. Wieistdasmögli?D'Leut indaStadtmüssnerschröckligfrässi seyn,wannSiedasalles fressen. Hornschild. Bedenckeaber,welcheMengeMenschendieStadtenthält, gegen200000. Hannss. I waiß nöt, wie viel das seynd, aba i habs schon gseha, daß ville Leut hier giebt, i bin a wenig d'Gassn hinunter ganga, kaum hab i durchkoma könna, und grob seynd Sie, alß wie d'Hölzer.77 75 Taddädl der dreyssigjährige A B C Schütz. Eine Posse mit Gesang in drey Aufzügen, nach einer Burleske fürdieMarinellischeSchaubühnebearbeitetvonKarlFriedrichHensler.DieMusik istvomHerrnWenzel Müller,Kapellmeister.Wien,1799.GedrucktmitSchmidtischenSchriften.S.89ff. 76 [Franz von Heufeld:] Der Bauer aus dem Gebirge in Wien. Ein Lustpsiel von drey Aufzügen. Aufgeführt aufdemkais.königl.privilegirtenTheater.Wien, imJahre1767,S.7. 77 StiftsbibliothekKremsmünster,Ccn1423, f. 4v– 5v.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Titel
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Untertitel
Eine andere Literaturgeschichte
Autoren
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
652
Schlagwörter
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Kategorien
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800